Wenn der Dollar fällt und Amerika das Importieren einstellt, droht der Weltkonjunktur erst recht der Zusammenbruch. "Kaum ein Land könnte es ertragen, plötzlich weniger in die USA zu exportieren", sagt Gail Fosler, Chefökonomin der New Yorker Denkfabrik Conference Board. Ähnlich steht es um Bushs Löcher im Etat. Ohne die künstlich angespornte Nachfrage wäre die Konjunkturlokomotive USA schon auf halber Strecke liegen geblieben, argumentiert das Weiße Haus. Der Rat Washingtons: Statt zu klagen, sollten die Europäer lieber ihren Stabilitätspakt lockern und eigene Konjunkturprogramme auflegen.

Davon wiederum wollen die Europäer nichts wissen. So werden die Finanzpolitiker von dies- und jenseits des Atlantiks ihr Augenmerk auf einen vertrauten Retter richten: Alan Greenspan. Der hält sich zwar bislang zurück, hat aber einige Direktoren vorgeschickt, um Nothilfen anzukündigen – falls die Pessimisten Recht behalten und ein Ende des Golfkrieges nicht den Aufschwung bringt. Zwar bleibt der Fed weniger geldpolitischer Spielraum als der EZB, weil sie seit 2001 beherzter die Zinsen gesenkt hat (siehe Grafik). Doch vor Wall-Street-Bankiers und Politikzirkeln in Washington haben Mitarbeiter Greenspans schon ausführlich dargelegt, wie sie notfalls Extrageld in den Kreislauf bringen könnten: durch den Rückkauf von Staatsanleihen oder die Ausgabe festverzinslicher und langfristiger Wertpapiere. "Da steckt ein komplettes Notprogramm in der Schublade", glaubt Willi Semmler, Direktor des Center for Economic Policy Analysis in New York.

Sicher erinnert sich Greenspan dabei auch daran, was nach dem ersten Golfkrieg passierte. Damals lag der optimistische Notenbankchef nämlich falsch. Die amerikanische Rezession begann entgegen seiner Prognose noch im Monat der irakischen Invasion in Kuwait, und die Korrekturen der Notenbank kamen zu spät. Deshalb hat Greenspan bis heute erbitterte Gegner im Lager des Präsidenten. Die Wahlniederlage von Vater Bush im Jahr 1992 schreiben viele immer noch der damals dümpelnden Wirtschaft zu – und dem allzu lässigen Notenbanker Alan Greenspan.

Mitarbeit: Petra Pinzler