„Angst ist lange Zeit ein wichtiges Thema in meinem Leben gewesen. Meine Ängste haben mich oft sehr behindert“, sagt die Sängerin Nena, 42, der ZEIT. Vor einem Jahr habe sie damit angefangen, sich ihren Ängsten zu stellen. Das Schlimmste sei die Angst vor der Angst. Es sei wichtig Kontrolle abzugeben, Angst zuzulassen und loszulassen, insbesondere beim Umgang mit Kindern.Die Sängerin träumt von einer Gesellschaft ohne Schulpflicht und repressives Erziehungssys-tem. Es sei nicht richtig, dass 30 Kinder jeden Tag das gleiche lernen sollen. „Sie sind Individu-en mit ganz persönlichen Bedürfnissen und Interessen, die selbst entscheiden können, was sie lernen wollen ... Wichtig ist, ihnen die Möglichkeit zu geben, dass sie ihre Persönlichkeit frei entfalten können.“ Nena glaubt, dass „unser Erziehungs- und Schulsystem immer noch auf Rationalität und vor allem Angst aufgebaut ist“.Nena ist überzeugt, dass dass sich Träume nicht von selbst oder durch fremde Hilfe erfüllen – man sollte versuchen, sie zu leben. „Meinen größten Traum erfülle ich mir täglich: jeden Tag aufzuwachen wie Schneewittchen. Jeden Tag neu und frisch zu erleben“.

Entwicklungshilfe: Hilfsorganisationen verstärken die Not

Nach Einschätzung von Entwicklungshelfern der UN droht in Äthiopien eine Hungerkatastrophe, die noch viel dramatischer ausfallen kann, als die von 1984. Die ZEIT hat diese Warnung zum Anlass genommen, sich an Ort und Stelle umzusehen. Wie sich herausstellt, sind die Brunnen im Lande gut gefüllt, die Tiere gesund, es besteht kein Mangel an Wasser.Paolo Pironti, Entwicklungshelfer in Äthiopien: „Eine Hungerkatastrophe haben wir hier im Tiefland nicht. Das sind dramatisch zugespitzte Prognosen.“ Der Westen engagiere sich für Äthiopien, weil das Land ein strategisches Bollwerk sei zwischen dem islamischen Sudan und Somalia und gegenüber der arabi-schen Halbinsel.Der Landwirtschaftsexperte und Entwicklungshelfer Klaus Feldner: Äthiopien kann sich nicht nur selbst ernähren, sondern sogar Getreide exportieren.Ein hochrangiger äthiopischer Regierungsbeamter: „Große Handels- und Transportfirmen, die die Nahrungsmittelhilfe im Land verteilen und sich im Be-sitz der Regierungspartei befinden, verdienen an jeder Tonne Nahrungsmittel bis zu 150 Dollar.“David Albright: Sorge um Verwendung von Nuklearwaffen„Die Sorge, dass wir in eine Ära eintreten, in der Nuklearwaffen verwendet wer-den, ist groߓ, sagt der Abrüstungsexperte David Albright, Präsident des Institute for Science and International Security (ISIS). In einem Gespräch mit der ZEIT äußert er auch die Sorge, „dass bei uns in den USA die Schranken fallen, solche Waffen zu benutzen ... Es könnte sein, dass immer mehr Staaten nach diesen Waffen streben.“Der Physiker, der selbst als UN-Inspektor im Irak tätig war, schätzt, „dass der Irak an einer Inf-rastruktur arbeitete, um Atomwaffen herzustellen und versuchte, eine Uranreicherungsanlage zu bauen.“ Sollte im Irak jedoch nichts gefunden werden, sei dies sehr besorgniserregend. Es könnte entweder bedeuten, dass es keine Massenvernichtungswaffen gab, oder, dass sie au-ßer Landes geschafft wurden. „Wenn dieser Krieg sozusagen grundlos war, wird man viele Falken danach rufen hören, jetzt auch gegen Syrien, den Iran und andere vorzugehen. Nach dem Motto: Unsere Truppen sind ja eh schon da...“US-Wiederaufbau-Experte: Zweijährige Besatzungszeit im IrakDer amerikanische Ökonom und Wiederaufbau-Experte Frederick D. Barton rechnet nicht mit einem schnellen Ende der amerikanischen Besatzung im Irak. „Ich gehe von zwei Jahren aus, und das ist optimistisch kalkuliert“, sagt Barton der ZEIT. In Washington ist von einem halben Jahr oder einem Jahr die Rede. Barton, der an der Princeton University lehrt und am Center for Strategic and International Studies in Washington forscht, hat in der Vergangenheit schon die Kostenschätzungen der US-Regierung als zu optimistisch kritisiert.Der Experte empfiehlt, dass der Irak seinen Wiederaufbau so schnell und so weitgehend wie möglich selber finanzieren soll – durch den Verkauf von Öl. „Der Irak ist reich genug“, sagt Barton, „er hat das Geld und die technokratische Elite“. Daher solle die Besatzungsregierung die Finger von Öl-Reserven lassen und sich bei der Vergabe von Aufträgen an Firmen zurückhalten. „Es wäre ein schwerer Fehler, wenn Amerika jetzt die Hände einer künftigen irakischen Re-gierung mit langfristigen Verträgen binden würde. Diese Frage berührt den Kern irakischer Souveränität".Václav Klaus: EU-Beitritt – „Ehe der Vernunft, nicht der Liebe“Der tschechische Präsident Václav Klaus ist strikt gegen eine größere sicher-heitspolitische Autonomie der EU, die sie zu Interventionen außerhalb Europas ermächtigt. Der ZEIT sagt er: „Wir brauchen Europa nicht als Macht, die ir-gendwo in der Welt interveniert.“ Früher habe er die Parole „Ausfuhr des Sozi-alismus“ nicht akzeptiert, heute sei er gegen die Ausfuhr von Demokratie, Re-volution oder Transformation der Gesellschaft. Das seien Anliegen der Linken, zu der er nicht gehöre. In diesem Sinne sei auch der Irak-Krieg ein „linker Krieg“.Als eine „Ehe der Vernunft, nicht der Liebe“ bezeichnet Klaus den Beitritt sei-nes Landes zur EU, ein Traum sei das „für mich wirklich nicht“. Für ein mittel-europäisches Land, das nicht auf einer Insel oder am Rande Europas liegt, sei es „ganz einfach unmöglich, nicht der EU beizutreten“. Die Mitgliedschaft sei nicht mehr als ein Stempel, dass Tschechien ein normales, problemloses Land sei. Er sei nicht sicher, „ob morgen der Kosten-Nutzen-Vergleich für uns güns-tig ausfallen wird“.Entwicklungsexperte Klingebiel: Zunehmender Bedarf an Nothilfe„Wurde Entwicklungshilfe im Kalten Krieg oft als geostrategisches Politikinstrument eingesetzt, zielt sie heute deutlich häufiger auf Armutsbekämpfung ab“, sagt Stephan Klingebiel vom Deut-schen Institut für Entwicklungspolitik der ZEIT. Die jährlichen Meldungen von Hungerkatastro-phen in Afrika haben für ihn strukturelle Ursachen wie Krieg, Ressourcenabbau, Missmanage-ment und Korruption. Klingebiel: „Die reichen Industrieländer tragen allerdings an mancher Not-situation mit Schuld, gerade im Landwirtschaftssektor. Billig importierte, hochsubventionierte Nahrungsmittel – oft aus Europa – halten die Erzeugerpreise afrikanischer Bauern extrem nied-rig und zerstören lokale Märkte.“Klingebiel: „Bedingt durch Kriege gibt es einen zunehmende Bedarf an kurzfristiger Nothilfe. Man kann sich diesen sehr drängenden humanitären Problemen selbstverständlich nicht ver-schließen. Dennoch ist der Trend sehr problematisch, weil dadurch immer weniger Geld in mit-tel- und langfristige Entwicklungsprojekte fließt. Für die Nothilfe müssten zusätzliche Mittel be-reitgestellt werden. Gefährlich ist auch, dass sich in diesen Konflikten die Einsätze von Militärs und Hilfsorganisationen immer stärker durchdringen.“Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel.: 040/ 3280-217, Fax: 040/ 3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiss@zeit.de) gern zur Verfügung.