Ansonsten blieb ihm nur die Theologie, wenn er der väterlichen Kleinwelt entgehen wollte. Er trat dieses Studium in Halle an und setzte es in Erlangen fort, jedoch fest entschlossen, das fade Dasein eines königlich preußischen Pfarramtskandidaten auf gar keinen Fall zu seiner Sache zu machen.

Zusammen mit seinem Jugendfreund, dem Berliner Beamtensohn Wilhelm Heinrich Wackenroder, mit dem er schon in Berlin den poetischen Ästhetikvorlesungen Karl Philipp Moritz’ gelauscht hatte, durchschwärmte der junge Mann das Frankenland und das Fichtelgebirge. Unterwegs sahen die beiden Wanderer die Trecks verarmter Bauern vorüberziehen, während sie gleichzeitig die lang vergessenen Zeugnisse einer großen Geschichte entdeckten: In Nürnberg die Kunst der Sachs- und Dürer-Zeit, in Bamberg das "deutsche Rom" Kaiser Heinrichs II. und die Gotik des Veit Stoß, im Schloss Pommersfelden das Barock der Fürstbischöfe von Schönborn. Es waren Entdeckungen, die in der deutschen Literatur Epoche machen sollten.

Die Landschaft entfaltete neuen Zauber, ganz Spiegelbild der menschlichen Seele, wenn Tieck etwa in einer fränkischen Dorfscheune die "schwebenden Töne eines Waldhorns" durch die Sternennacht zu sich herüberdringen hörte. Aus dem Dreiklang von Kunst, Geschichte und Landschaft begann sich der Geist der Romantik zu entfalten.

Von da an musste das ohnehin nur widerwillig angetretene theologische Brotstudium endgültig der Literatur weichen, die der noch nicht einmal 25-Jährige zum alleinigen Lebensberuf erhob. Tieck, nunmehr "freier" Autor, ergriff die Chance dort, wo sie ihm geboten wurde. Für den Berliner Verleger und Erzaufklärer Friedrich Nicolai verfertigte der Debütant kurzweilige Novellen, die unter dem Titel Straußfedern honette Leserinnen und Leser davon zu überzeugen hatten, dass sie in der besten aller Welten lebten. Als er in die mehrbändige Sammlung immer öfter provokanten Witz sowie die nicht ganz geheure Sphäre des Wunderbaren und Doppelbödigen einzuschmuggeln suchte, kam es zum Bruch mit dem Prinzipal Nicolai.

einahe über Nacht wurde der selbstbewusste Poet Held der Salons, der mit der einen Hand, wenn auch unter ständigem Grimassenschneiden, den Leuchter der Berliner Rationalisten präsentierte und mit der anderen bereits die Laterna magica der Romantiker aufstellte. Aus der reichen Produktion der wenigen Jahre von 1797 bis 1800 ragen die Bühnen-Groteske Der gestiefelte Kater, die Märchenparabel Der blonde Eckber t heraus. Und natürlich der unvollendet gebliebene Künstlerroman Franz Sternbalds Wanderungen , der zum Credo von zwei Malergenerationen wurde, besonders der Romfahrer unter ihnen.