die zeit: Herr Albright, Sie sind weltweit einer der bekanntesten Atomwaffen-Experten. Finden Wissenschaftler wie Sie noch Gehör in Washington?

David Albright: Ja. Aber wir müssen in einem sehr viel politischeren Kontext agieren. Wir haben es hier in Washington mit Politikern zu tun, für die allein zählt, ob sie die öffentliche Meinung hinter sich haben und sich im Amt halten können. Es sind schlechte Zeiten für Diskussionen über Fakten.

zeit: Schlechter denn je?

Albright: Ich beschäftige mich seit über zwanzig Jahren mit Atomwaffen und Abrüstung. Es war auch unter Clinton eine Menge Chaos – die Zeit Mitte der Neunziger war ein Albtraum. Und es gab gute Zeiten zum Ende der Ära Reagan. Jetzt herrscht in diesem Land eine Zweidrittelunterstützung für den Irak-Krieg. Nach dessen Ende muss eine intensive Debatte über die Frage der Massenvernichtungswaffen geführt werden. Und wir Experten werden eine wichtige Rolle dabei spielen.

zeit: Kann Krieg ein Weg zur Abrüstung sein?

Albright: Es ist sicherlich nicht die beste Lösung. Ich will die Verwirklichung von Sicherheitsratsresolutionen, lehne aber die Präventivkriegs-Strategie der Bush-Regierung als sehr gefährlich ab.