Am Tage ist die Welt kaum zu ertragen. Bahnhof, Einkaufspassage, Karstadt, Spar, Arbeitsamt, evangelische Kirche - man fragt sich, warum unsere Augen ihren Dienst aus Protest gegen diese Zumutungen aus Waschbeton nicht einstellen. Künstler haben es besser. Ihnen bleibt die Ästhetik des Hässlichen. Peter Handke schwärmt von der "Zwickelwelt" aus Autobahnzubringer, Vorortidyll und Umgehungsstraße. Der Fotograf Emanuel Raab hat sich auf die "Unorte" unserer Lebenswelt spezialisiert: Parkplätze, Lagerhallen, Container, Bürohäuser, Autobahnbrücken. Doch fotografiert er sie nicht in ihrem schäbigen Tageskleid, sondern in leuchtender Abendrobe. Und siehe da: Bei Nacht wird das Hässliche geheimnisvoll. Alles eine Frage der Einsamkeit und Beleuchtung. Licht aus, und Deutschland wird wieder schön.

Emanuel Raab (Fotos): Nachtland

Deutsch/Englisch - mit einem Beitrag von Peter Weiermair - Kehrer Verlag, Heidelberg 2002 - 96 S., 36,95 e