Irgendein amerikanischer Soldat muss aus irgendeinem Grund in der Nähe der irakischen Stadt Kerbela seinen Spaten ziemlich tief in den Wüstensand gerammt haben. Am späten Montagnachmittag jedenfalls meldete der Brigadegeneral Benjamin Freakley einem Reporterteam des Fernsehsenders CNN gehorsamst: Die Truppe sei auf mobile Labors zur Bio- und Chemiewaffenproduktion gestoßen. Elf Container, jeder etwa sechs mal sechs Meter groß, lägen vergraben neben dem Gelände einer ehemaligen Artilleriefabrik. Chemische oder biologische Kampfstoffe habe man in den Behältern zwar nicht gefunden, dafür aber, so der General, "etwa tausend Pfund" Dokumente.

Vorsicht ist geboten, denn beiden Seiten, Soldat und CNN, darf man unterstellen, durchaus patriotisch zu recherchieren. Bisher haben sich die Meldungen über den Fund von Senfgas, Tabun und anderen Substanzen im Irak schneller zerschlagen, als man "Massenvernichtungswaffen" sagen kann. Die Division des General Freakley (101st Airborne) steht offenkundig unter Leistungsdruck. Verständlich, denn ihr Befehl ist kein geringerer, als schleunigst die Legitimation für den Krieg nachzuliefern.

Schon einmal, gut eine Woche vor den jüngsten Ausgrabungen, glaubte Freakleys Suchtrupp in Hindija, östlich von Kerbela, ein Lager mit den Nervengasen Sarin und Tabun entdeckt zu haben. In einem Bunker fanden die Soldaten ein gutes Dutzend verdächtiger Fässer und eine "ungewöhnlich" große Anzahl von Schutzanzügen. Einigen der Soldaten wurde bei der Untersuchung der Fässer schlecht, andere klagten über Blasen auf der Haut. Später ließ die 101. Luftlandedivision verlauten, die Soldaten seien wohl nur erschöpft gewesen. Bestätigt sind die Giftgasfunde bis heute nicht. Die Proben sollen erst in Labors in den USA und Großbritannien analysiert werden. Ein vermeintliches Chemiewaffenlager bei Bagdad entpuppte sich nach genauerer Untersuchung schlicht als Depot von Pflanzenschutzmitteln.

Zu den nun aufgetauchten Container-Laboratorien sagte Freakley lediglich, sie bestünden aus dual use- Ausrüstungen, also aus chemischen und biologischen Produktionsanlagen, die sowohl für militärische wie auch für zivile Zwecke genutzt werden können. Warum aber sollten die Iraker harmlose Pillenfabriken erstens: in Container einbauen, zweitens: diese Container im Sand verbuddeln und drittens: Berge von Papieren mitvergraben? Vieles spricht dafür, dass es sich bei diesem Fund um mehr handelt als bloß um ein aufwändiges Versteck für eine halbe Tonne Beipackzettel.

Ein kurzer Rückblick: Am 5. Februar präsentierte US-Außenminister Colin Powell den Mitgliedern des Weltsicherheitsrats Computergrafiken von angeblichen rollenden Biowaffenlabors, die auf Lastwagen oder Züge geladen werden könnten. Mindestens 18 dieser mobilen Waffenschmieden solle der Irak nach Geheimdienstinformationen seit Mitte der neunziger Jahre entwickelt haben. Die britische Regierung warf dem Irak schon im vergangenen September vor, wichtige Dokumentationen über chemische Waffenforschung, Giftgasproduktion und Bewaffnungsmethoden unter Verschluss zu halten. Bagdad behauptete zwar, diese so genannten Kochbücher vernichtet zu haben, in London war man aber sicher, "dass der Irak noch immer nach Methoden sucht, diese Dokumentationen so zu verbergen, dass sie von keinen künftigen UN-Inspektionen gefunden werden können".

Das Inspektorenteam der Unmovic nannte in seinem letzten Rapport vom 6. März die Berichte über rollende Waffenlabors "durchaus schlüssig".