Ähnlich geht es den Jordaniern. Auch wenn sie im Wettbewerb mit den international gestählten Türken kaum bestehen können: Die Geschäftsleute und Händler aus Amman werden ihre Kontakte polieren, um sich den Irakern als preiswerte Versorgungsbasis anzudienen. Die jordanische Regierung wird die Früchte ihres Schlingerkurses zwischen den Extremen einsammeln. Für das empörte Volk geißelten sie die amerikanische "Aggression". Für ihren Spielraum nach dem Krieg aber gewährten sie den Amerikanern Luftraum und Territorium für Spezialoperationen. Washington versprach dem Land über eine Milliarde Dollar als Militär- und Wirtschaftspaket. Und den Platzvorteil beim Wiederaufbau des Iraks kann Jordanien ohnehin niemand nehmen.

Darauf spekulieren auch die kleinen Staaten am Persischen Golf, allen voran Kuwait. Das Ölscheichtum ist Standort von mehreren international operierenden Bau- und Kommunikationsfirmen. Beim Wiederaufbau des eigenen Landes nach dem Golfkrieg vor zehn Jahren sind sie groß geworden. Zwei Mobilfunkfirmen wollen nun Sendemasten im Südirak aufstellen. Kuwait wird dabei zugute kommen, dass es wie Qatar und Bahrein amerikanischen Truppen Kost und Logis bereitstellte. Auch diese beiden Kleinstaaten werden sich am Wiederaufbau beteiligen – wenn auch in Grenzen. Denn in Qatar und Dubai blüht die Wirtschaft dermaßen, dass viele Baufirmen für Projekte im eigenen Lande ausgebucht sind.

Alle Regierungen am Golf sind erleichtert darüber, dass der unberechenbare, streitsüchtige Saddam Hussein gestürzt ist. Das gilt auch für das große Saudi-Arabien, wo manche geradezu in Feierlaune geraten sind. "Dies war der letzte Regionalkrieg", frohlockt der eher prowestliche saudische Kommentator Dschamal Chaschoggi, "wir werden sehen, dass die Probleme der Region mit dem Ende des alten Regimes im Irak enden." Sicherlich plagt die Regierenden in Riad eine gewisse Unsicherheit darüber, welche umstürzenden Ziele die Amerikaner ernsthaft und auf Dauer verfolgen wollen. Demokratisierung um jeden Preis? Regimewechsel allerorten? Oder doch nur die Beherrschung der irakischen Ölindustrie? Letzteres würde die Saudis nicht sonderlich beunruhigen. Ihre Ölreserven sind mehr als doppelt so groß wie die irakischen, ihre derzeitige Produktion fünfmal so hoch.

In Teheran vergießt gleichfalls niemand Tränen über Saddam Hussein, der den Iran in den achtziger Jahren mit Krieg überzog. Die Präsenz des "Großen Satans" im Nachbarland freilich trägt weniger zum Wohlbefinden der religiösen Führung bei. Zumal sich die Amerikaner auch schon im östlichen Nachbarland Afghanistan festgesetzt haben. Der ehemalige Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani hat deshalb vorsorglich angekündigt, Teheran werde keinen Pensionär der US-Armee als Machthaber im Irak anerkennen. Gemeint ist der US-Administrator in spe Jay Garner. Im Übrigen wartet Teheran ab, zumal die Amerikaner ihren kalkulierten Zorn gerade gegen andere lenken .

Befreiung? Pustekuchen!

Die syrische Regierung steckt wohl in der heikelsten Lage von allen Nachbarregimen des Iraks. Fast täglich beschuldigen US-Politiker einschließlich des Präsidenten das Land, Saddam Hussein noch über den jammervollen Sturz hinaus Schützenhilfe zu leisten. Erst soll Damaskus Nachtsichtgeräte in den Irak geliefert haben, nun gar den ganzen Clan des Diktators beherbergen. Und da die Massenvernichtungswaffen im Irak bisher nicht zu orten waren: Wo könnten sie sonst sein, wenn nicht in Syrien? Die Indizien scheinen gegen Damaskus zu sprechen, Beweise fehlen bislang.

Im Krieg hatte sich Staatschef Baschar al-Assad auf die Augenhöhe der arabischen Straße begeben und übte ätzende Kritik an der amerikanischen Invasion. Er öffnete die Grenzen zum Irak für Freiwillige im Kampf gegen die "Mächte des Bösen". Der Großmufti von Syrien rief zu Selbstmordattacken gegen die US-Soldaten auf. Assads Regierungspartei ist die gleiche Baath-Partei, die auch jahrzehntelang Saddam Husseins williges Werkzeug war. Dass der syrische und der irakische Flügel dabei leidenschaftlich zerstritten waren, spielt nun kaum eine Rolle. Vergessen sind auch die ungestümen Liebkosungen zwischen Saddam Hussein und dem Vater Baschars, Hafis al-Assad, die einander gern "Verräter" oder "Agenten des Zionismus" nannten.