Einer Meldung der italienischen Tageszeitung "Il Tempo" zufolge plant der Vatikan, die Viehhaltung des päpstlichen Landgutes in Castel Gandolfo aufzugeben. Die letzten dort grasenden Milchkühe und die verbliebenen Lämmer sollen verkauft werden, der Eigenbedarf künftig mit dem Import von Schweizer Milch gedeckt werden. Die Fütterung der eigenen Kühe und die Personalkosten seien dem Vatikan zu teuer geworden, hieß es. Doch was wäre der Papst ohne seine Lämmer, ohne seine Schäfchen? Der Ethikrat nutzt die Gelegenheit, endlich einmal päpstlicher als der Papst zu sein.

Die Zeiten sind schlecht; daran haben wir uns in den letzten Wochen gewöhnt. Aber dass sie so schlecht werden könnten, uns auch noch die österliche Festfreude zu verhageln – das hätten wir nicht erwartet. Und wer schafft das? Niemand anders als der Vatikan! Dieser nämlich will seinen landwirtschaftlichen Betrieb einstellen.

Nun wird niemand, auch der Ethikrat nicht, etwas dagegen einwenden wollen, dass in finanziell knappen Zeiten auch Heilsorganisationen wie der Vatikan sparen müssen. Noch weniger wird man sich am Schweizer Milchimport stoßen – im Gegenteil, auch der Ethikrat subventioniert seine anstrengende berufliche Tätigkeit gelegentlich mit der äußerst gehaltvollen Schweizer Milch. Eine gewisse Logik ist zudem unbestreitbar: Zur Schweizer Garde käme eben die Schweizer Milch hinzu, als friedenschaffende Maßnahme gewissermaßen, pax et lac , der Friede und die Milch.

Aber nun wird doch der Rationalisierung etwas zu viel getan, so viel, dass Papst Johannes PaulII. dringend zur Intervention zu raten ist. Wir dürfen ihn daran erinnern, dass die vatikanische Milch, gleich wie es um ihren Fettgehalt in der Konkurrenz zur Schweizer Milch stehen mag, sich bisher größten Zuspruchs im Einkaufsmarkt des Vatikans, bei den Normalverbrauchern wie den Eisherstellern und Barbesitzern von Castel Gandolfo, erfreut hat.

Sie gilt jedenfalls als gesünder, fetthaltiger und haltbarer als italienische Markenmilch, wobei die Haltbarkeit in dem traditionell an der Ewigkeit orientierten Vatikan naturgemäß besondere Beachtung verdient. Hier und da sind schon wahre Wunderdinge von der vatikanischen Milch berichtet worden! Sie war die Milch der frommen Denkungsart par excellence. Und die vatikanischen Kühe spendeten sie reichlich: einige hundert Liter am Tag!

Woher aber kamen die Kühe? Es waren Friesenkühe, also Angehörige jener Rasse, die schon der heilige Bonifatius, der Missionar Deutschlands im Allgemeinen und der Friesen im Besonderen, höchstpersönlich gesegnet hat. Darf man die jüngst so außerordentlich bewährte Friedensallianz zwischen dem Vatikan und Deutschland als angestammtem Statthalter der Friesenkühe so leichtfertig aufs Spiel setzen?