Ein Außenseiter ist er – und ein Innenseiter. Außenseiter, weil er nur zu gern die Regeln der Moderne unterläuft, weil er Häuser baut, die nicht streng und glasglatt sind wie die vieler Kollegen. Innenseiter, weil er wie kaum ein anderer Architekt in sich selbst hineinhorcht und seinen Gefühlen mehr traut als dem Glanz der Oberflächen. Seinen "inneren Auftrag", nennt das Zbigniew Peter Pininski, ein Architekturprofessor aus Polen, der bei Frankfurt ein kleines Büro betreibt und nun ein Buch mit seinen Werken herausgebracht hat. Schon beim ersten Blättern fällt einem auf, dass Binnenschau und Binnenbau bei Pininski eng zusammengehören, erstaunlich viele seiner Häuser liegen unter Tage, bergend umfangen sie den Menschen: eine Tagungsstätte, die halb in einen Berg hineingebaut wurde, ein unterirdisches Museum, ein Brunnen, den man wie eine Grotte betreten kann. Doch nicht die immer gute Mutter Erde wird hier beschworen, Pininski ist kein Esoteriker. Vielmehr gelingt ihm das seltene Kunststück, erdennah und zugleich unbeschwert zu bauen, er entwirft tief gründende Bauten mit hoch heiterer Spiellust. In Frankfurt etwa hat er den Eingang einer U-Bahn-Station gestaltet, der aussieht, als würde sich ein Waggon mit voller Wucht in die Erdkruste bohren, Pflastersteine, Asphaltbrocken spritzen zur Seite.

Mit dieser architecture parlante, mit Erzählideen, die von Le Corbusier ebenso inspiriert sind wie von Chagall, hat sich Pininski auch ungeliebter Aufgaben angenommen. Den Hässlichkeiten unserer Städte versucht er Lebendigkeit abzuringen, erfindet Wandbilder für Plattenbaukisten ebenso wie für zugige Unterführungen, stets angespornt von der Überzeugung, dass Wohlgestalt sich auszahlt und den Vandalismus zügelt. Besonders lieb sind ihm dabei die großen, klaren Formen, doch hat er auch keine Scheu, auf Pilaster oder Kapitelle zurückzugreifen, um seinen Entwürfen einen eigenen, sprechenden Ausdruck zu geben.

Pininskis Eigenwille prägt auch das Buch, das gerade erschienen ist und seine Bauten und Pläne der letzten drei Jahrzehnte im Überblick zeigt. Wo andere Monografien mit Hochglanzfotos protzen, findet man hier bescheidene Zeichnungen und Aquarelle, die aber weit eindrücklicher den Charakter dieser Gebäude skizzieren, als es Fotografien könnten. Ergänzt werden die Abbildungen durch viele lebhafte Beiträge, für die Pininski manch bekannten Namen gewinnen konnte. Und auch seine Bauherren dürfen schreiben, was höchst ungewöhnlich ist, denn oft scheuen Architekten das Urteil ihrer Auftraggeber. Nicht so Pininski: Er hat auch als Außenseiter viele Freunde.