Zwei Weinmessen im Abstand von nur drei Wochen, das sind Ereignisse, die zum Vergleich herausfordern. Doch man kann sie nicht vergleichen, die Messe in Straßburg und die ProWein in Düsseldorf, so wenig man einen Renault Twingo mit einem Audi 8 vergleichen kann.

Die Messe in Straßburg, die jedes Jahr im März stattfindet, gleicht einem Christkindlmarkt, dort kann jeder hinein und Wein kaufen, so viel er tragen kann. Die mehr als 400 Winzer hocken hinter winzigen Ständen, kaum größer als die von Eisverkäufern, und schenken den wissbegierigen Besuchern geduldig ihren Wein in die Probiergläser. Es sind ausschließlich selbstvermarktende französische Weinbauern, die hier zugelassen sind. Sie kommen aus allen Ecken des Landes und bieten Weine der unteren Mittelklasse an. Spitzenweine und solche, die mehr kosten als 30 Euro, sucht man vergebens. Daher ist die Atmosphäre in der Halle ungeheuer locker und von breughelhafter Lebendigkeit.

Sandwichtheken und solche mit Wurst und Gänseleber tragen zum Volksfestcharakter bei. Vor der Halle allerdings herrscht chaotische Desorganisation. Es gibt viel zu wenige Parkplätze, die Autofahrer kurven fluchend durch die umgebenden Straßen, bis sogar in den Verkehrsnachrichten des Straßburger Rundfunks vor dem Verkehrsstau gewarnt wird. Eine Möglichkeit vorzufahren, um die Einkäufe im Kofferraum zu verstauen, gibt es nicht. Routinierte Messebesucher betreten die Halle nicht ohne einen zusammenklappbaren Kofferträger (den man auch an Ort und Stelle kaufen kann). Doch mit 50 Kilo Weinkartons auf den kleinen Rädern ist der Weg durch den Autostau zum weit entfernten Fahrzeug eine Qual. Ich schwöre mir jedes Jahr, nicht mehr hinzugehen.

Aber wo existiert eine vergleichbare Möglichkeit, sich über die verschiedenen französischen Weine so gründlich zu informieren?

Interessant ist die Beobachtung, dass ausgerechnet die Winzer der Umgebung, also die Elsässer Weinbauern, nur schwach vertreten sind. Spitzenerzeuger wie Ostertag, Kreydenweis, Josmeyer, Faller, Mochel, Trimbach, Hugel und ihresgleichen habe ich hier noch nie gesehen. Groß vertreten ist dagegen die Mittelklasse aus dem Bordelais, aus Burgund und Südfrankreich. Stark beeindruckt hat mich der Prince Probus 2000, ein tiefdunkler Cahors für 20,55, der von keinem anderen Cahors an Komplexität übertroffen werden dürfte. Ebenfalls aus dem Südwesten, aus der Appellation Montravel, stammte ein Weißwein mit schöner Fruchtigkeit vom Château Masburel, was mich nicht allzu sehr überraschte, weil die erfreuliche Qualitätssteigerung der dortigen Weine in den letzten Jahren nicht zu übersehen war.

Probieren, bis es aus den Ohren tropft

Diese Entwicklung, die ja nicht auf Frankreich beschränkt ist, sondern auch bei uns zu beobachten ist, dass nämlich in bisher nicht so bedeutenden Regionen erstaunlich gute Weine produziert werden, dieser positive Prozess macht den Besuch der Straßburger Weinmesse so interessant.

Wie anders geht es in Düsseldorf zu! Parkplätze, so weit die Füße tragen, was kein Problem darstellt, weil das Einzige, womit man sich in den vielen Hallen voller Flaschen beladen kann, Prospekte sind, Papier und noch mehr Papier. Denn kaufen kann man auf der ProWein nichts. Sie ist eine Fachmesse, wo der durstige Weinfreund erst gar nicht eingelassen wird. Die vielen Händler und Journalisten hingegen, die in der komfortablen Atmosphäre moderner Messearchitektur von Stand zu Stand schlendern, können die Weine so lange probieren, bis sie ihnen zu den Ohren wieder rauskommen.

Das Angebot ist riesig. Die deutschen Prädikatsweingüter (VDP) allein präsentieren sich in einem Ambiente, das so groß ist wie ein ICE-Bahnhof und so umlagert wie Formel-1-Boxen. Da werden keine billigen Probierbecher verteilt, sondern die Weine aus edlen, dünnen Gläsern getrunken. Die Produzenten kommen nicht nur vom Rhein, aus Württemberg und wo sonst bei uns und anderswo der Most in Fässern gurgelt. 2800 Winzer aus aller Welt sind hier vertreten, und da die Preisunterschiede nicht mehr groß sind, ist es für den deutschen Weinbau nicht schwer zu erraten, wer demnächst den zunehmenden Absatz der heimischen Weine bremsen wird, zumal die Qualität der Weine aus Übersee enorm gestiegen ist. Die Klage eines Funktionärs, deutsche Weintrinker verhielten sich unpatriotisch, ist Unsinn: Sie verhalten sich qualitätsbewusst.