Eigentlich wollte Martin Schmitt nur seinem Bruder bei einem Wettkampf zusehen. Weil aber ein Skispringer fehlte, sprang der damals Sechsjährige ein und wurde gleich Zweiter. Inzwischen ist der 25 Jahre alte Schmitt vierfacher Weltmeister, Weltcupsieger und Olympiasieger. Nur in der zurückliegenden Saison lief es nicht besonders: Ein Trainingsrückstand nach einer Verletzung war wohl schuld, dass Martin Schmitt nie unter die ersten drei kam. Besser lief es für seinen zweieinhalb Jahre älteren Bruder Thorsten. Obwohl dem Nordischen Kombinierer eigentlich der "Kaderstatus B" anhaftet, wurde er in diesem Jahr Vizeweltmeister mit der Mannschaft. Vor fünf Jahren erkrankte Thorsten Schmitt an Hodenkrebs, die Krankheit konnte jedoch geheilt werden. Die Schmitts leben in einer gemeinsamen Wohnung in Freiburg

Thorsten Schmitt, Sie sind gerade mit der Mannschaft Vizeweltmeister in der Nordischen Kombination geworden, während Ihr bisher viel erfolgreicherer Bruder die schlechteste Saison seiner Karriere erlebt hat. Vielleicht wird jetzt in Ihrem Heimatort im Schwarzwald auch eine Straße nach Ihnen benannt. Martin hat ja schon eine.

Thorsten: Vizeweltmeister sein ist schon toll, und das ist auch eine Leistung, auf die ich stolz bin. Aber das mit der Thorsten-Schmitt-Straße wird schwierig, glaube ich. Der Martin hat ja sportlich die viel größeren Erfolge gehabt. Das werde ich niemals schaffen. Also ist es auch gerecht, dass er die Straße hat und ich eben nicht.

Martin: Es ändert sich ja auch nichts im Leben, nur weil eine Straße nach einem benannt wird. Das ist zwar irgendwie witzig, wenn man dran vorbeifährt. Vor allem, weil man sich ja als Kind nicht ausmalt, was man mal für einen Erfolg im Sport haben wird. Man rechnet ja nicht damit, was da für Dinge auf einen zukommen.

Ihre erfolgreichste Saison hatten Sie zu einer Zeit, in der Ihr Bruder gegen den Krebs kämpfte, vor fünf Jahren. Die Mädchen hielten Schilder hoch mit der Aufschrift "Martin, ich will ein Kind von dir". Sie konnten die Krankheit Ihres Bruders offenbar gut wegschieben und haben die Konkurrenz fast nach Belieben dominiert. Sie wirkten fast unbesiegbar.

Martin: Die wirklich schwere Zeit für Thorsten, mit Therapie, Krankenhaus und allem, die lag ja mehr im Sommer. Da waren zum Glück keine Wettkämpfe, außer ein paar Sommer-Grand-Prix. Und als es dann im Winter mit den Wettkämpfen losging, da war das Schlimmste schon überstanden, da wussten wir schon, dass alles gut geht. Im Training hat es am Anfang natürlich schon belastet. Aber man konzentriert sich ja doch ziemlich im Wettkampf.

Thorsten Schmitt, wie haben sich Ihre Prioritäten verschoben, nachdem Sie die Diagnose Hodenkrebs bekamen?