Dieser Irak-Krieg hat meine Familie in zwei Lager geteilt: die Mehrheit (meinen Mann und die Kinder), die ihn im Fernsehen verfolgt hat, und eine kleine, aber engagierte Minderheit (mich), die stattdessen aufs Internet schwört.

Die TV-Version des Krieges hatte ihre Vorteile, zuallererst den urkomischen täglichen Auftritt des irakischen Informationsministers Mohammed Said al-Sahhaf, für den alle schwärmen, egal, ob sie ihm glauben oder nicht. Vor dem Hintergrund explodierender Bomben (von denen einige intelligent waren, andere weniger), pflegte er mit einem sarkastischen Lächeln hinter seiner randlosen Brille zu erklären: "In diesem Augenblick wird der Feind vernichtet und verlässt Bagdad nicht lebendig", während man amerikanische Truppen beim Relaxen in Saddam Husseins leeren Palästen sehen konnte. Leider ist er in den letzten Tagen (nachdem Saddem, zumindest in Gestalt seiner Sechsmeterstatue, endlich von seinem eigenen Volk gestürzt wurde) nicht mehr in Erscheinung getreten.

Aber abgesehen von meinem Vergnügen an al-Sahhaf, habe ich mir diesen Krieg im Netz ersurft. Um zu erfahren, was wirklich passierte, las ich die private Website von jemandem, der sich Salam Pax nennt; das ist ein Iraker, der in Bagdad lebt und seinen Alltag beschreibt. Während er die ersten Bomben fallen sah, schrieb er, dass er diesen Krieg nicht wolle, obwohl er das Regime hasse mit seinem sterbenslangweiligen Jugendfernsehen. Salam Pax, der seit Tagen nicht mehr online ist, hat inzwischen eine ziemliche Kultgemeinde, und jetzt, wo der Krieg so gut wie vorbei ist, wüsste ich gerne, wie es ihm geht. Auf einer Website von BBC-Reportern habe ich von britischen Soldaten gelesen, die in den Trümmern nach irakischen Armeestiefeln wühlten, um ihre eigenen (made in Britain) zu ersetzen, die sich in der Wüstenhitze aufgelöst hatten. Das klingt vielleicht nach Propaganda, ist aber vermutlich wahr.

Wenn es um konspirative Hintergrundberichte geht, schaue ich stündlich bei debka.com rein. Das ist die israelische Website eines Unbekannten, der behauptet, einen direkten Draht zu absolut allem zu haben, was im Nahen Osten vor sich geht. Auf wichtige Fragen wie etwa "Wo ist Saddam Hussein?" hält debka die einfache Antwort bereit: Syrien. Wenn ich jedoch die ultimative Wahrheit über diesen Krieg erfahren will, schäme ich mich nicht, zuzugeben, dass ich bei Reuters die Börsenberichte konsultiere. Doch seltsam, als Bagdad zusammenbrach, reagierte der Aktienmarkt mit vorsichtigem Optimismus. Iraks UN-Botschafter hat tatsächlich erklärt: "Das Spiel ist aus", und obwohl unklar ist, welchen Irak er derzeit vertritt, hoffe ich, dass er Recht hat. Vielleicht kann Saddam Husseins früherer Informationsminister sich jetzt wieder seinem einstigen Berufsziel widmen: Ursprünglich wollte er Englischlehrer werden.

Aus dem Englischen von Frank Heibert. Von der Autorin erschien zuletzt "Natashas Nase". Nächste Woche schreibt an dieser Stelle: Moritz Rinke