Also sagen Sie einem Menschen vielleicht einfach, wenn er fragt, warum Gott das Übel zulässt: Ich weiß es nicht?

Ja. Ich weiß es ja auch nicht.

Was machen die Menschen dann mit ihren Zweifeln in der Kirche?

Die Menschen gehen in die Kirche und kehren zurück zum Gebet, weil das Gebet die Form ist, um das menschlich Unbegreifliche vor Gott zu bringen, den Zweifel vorzubringen vor Gott. Und sie sehen, dass Gott selbst im Kreuzestod seines Sohnes auf die Seite der Leidenden getreten ist. Aus dieser Verbundenheit Gottes mit den Leidenden entsteht Hoffnung.

Bei seiner Kreuzigung zweifelt Jesus ja selbst an Gott, zweimal ruft er: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Hatten Sie schon Momente, in denen Sie an der Gegenwart Gottes gezweifelt haben?

Ich habe Augenblicke der Todesangst erlebt, auch der Angst um einen nahen Menschen. Das waren zugleich Augenblicke der Gottverlassenheit. Und ich kenne Situationen vermeintlicher Sicherheit, in denen mir die Frage nach Gott unwichtig geworden ist. Aber ich weiß, dass weder Gottverlassenheit noch menschliche Sicherheit das letzte Worte haben.

Und jetzt als verantwortlicher, fehlbarer Mensch haben Sie an ihrer Entscheidung gegen den Krieg gezweifelt, als Sie den Einmarsch der Amerikaner in Bagdad sahen und die Irakis, die den Soldaten zujubelten?