die zeit: Herr Präsident, der Krieg gegen den Irak hat Europa zerrissen. Nach amerikanischer Definition zählen Sie zu den neuen Europäern, haben aber nein zum Irak-Krieg gesagt und damit die Antwort der alten Europäer gegeben. Welche Lehren ziehen Sie aus dieser europäischen Krise?

Václav Klaus: Diese Teilung Europas akzeptiere ich nicht, sie ist unsinnig. Wir dürfen uns nicht auseinander dividieren lassen. Meine Position, die mit der tschechischen Position identisch ist, ist ganz klar: Wir unterstützen die humanitäre Hilfe im Irak, sind aber nicht Teil der kämpfenden Koalition. Auch die Frage, ob man auf der Seite Amerikas stehe oder nicht, akzeptiere ich nicht.

zeit: Einige Ihrer und unserer Nachbarn, beispielsweise Polen, scheinen diese Teilung durchaus zu akzeptieren. Was genau stört Sie daran?

zeit: Sie lassen sich also nicht vorschreiben, sich für das eine oder andere Lager zu entscheiden?

Klaus: Ich schließe mich niemandem an. Nur wer in den Wolken schwebt, braucht Anschluss. Wer mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, braucht nicht zu sagen, ob er auf der amerikanischen oder auf der deutschen oder französischen Seite steht. Ich bin auf der tschechischen Seite.

zeit: Sie waren gegen den Irak-Krieg. Nun geht er zu Ende. Rechtfertigt das Ergebnis den Krieg?

Klaus: Auch da bin ich konsistent: Meine Position zur Lösung der Probleme im Irak ist nicht von der Dauer des Krieges abhängig.