zeit: Und wenn der Kriegsverlauf Washington ermutigt, auch Syrien oder Nordkorea mit einem Demokratisierungskrieg zu beglücken?

Klaus: Die Ausfuhr einer Revolution, die Ausfuhr der Demokratie, die Ausfuhr von Transformation der Gesellschaft habe ich nicht gern. In kommunistischen Zeiten lautete in der damaligen Tschechoslowakei die Parole "Ausfuhr des Sozialismus". Das habe ich nie akzeptiert. Warum sollte ich meine Meinung heute ändern?

zeit: Ehemalige Bürgerrechtler wie Adam Michnik in Polen sagen, dies seien Befreiungsbewegungen, die unterstützt werden müssten.

Klaus: Das war immer die Position von Linken. Ich gehörte nie zu dieser Gruppe. Da ich das Wort "links" benutzte, füge ich hinzu: Es scheint mir, dass der Irak-Krieg auch ein linker Krieg ist. Natürlich ist mir bekannt, dass der amerikanische Präsident nicht auf dieser ideologischen Seite steht. Aber trotzdem folgt dieser Krieg im Prinzip einem linken Konzept. Die Linke möchte das, was sie für gut hält, exportieren. Für jemanden, der auf der konservativen, rechten Seite der ideologischen Barriere steht, ist das nicht richtig.

Die Frage hat noch eine andere Dimension. Ich habe die Demokratisierung, die Transformation der tschechischen Gesellschaft erlebt. Daher weiß ich gut, dass das die Aufgabe der betroffenen Bürger ist. Sie als Deutsche verstehen das sicherlich sehr gut. Sie wissen, wie kompliziert die Umwandlung Ostdeutschlands von außen, nicht von innen war.

zeit: Muss Europa außen- und sicherheitspolitisch autonomer werden und in der Lage sein, außerhalb Europas zu intervenieren?

Klaus: Ich bin strikt dagegen. Die Ambition aller liberal-demokratischen Europäer sollte sein: keine solchen Interventionen. Wir brauchen Europa nicht als Macht, die irgendwo in der Welt interveniert.