Klaus: In der heutigen Welt sollten wir eher eine komplementäre Rolle spielen.

zeit: Sie sprachen von Befürchtungen im Hinblick auf Westeuropa. Brauchen Sie da die Beziehungen zu den USA nicht doch als Gegengewicht?

Klaus: Nein, ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass wir als kleine und neue Mitgliedstaaten in einer schwächeren Position sind als die alten Mitgliedstaaten.

zeit: Stört Sie der enge Schulterschluss zwischen Frankreich und Deutschland?

Klaus: Das sehe ich im Zusammenhang der Debatte über große Länder und kleine Staaten in Europa. Für mich ist wichtig, dass ich aufgrund der Vereinheitlichung und des Entstehens eines supranationalen Staates eine Bedrohung der Demokratie in Europa befürchte. Das ist nach meiner Überzeugung ein echtes Problem. Ob diese Position von kleinen oder großen Staaten unterstützt wird, ist nicht so wichtig.

zeit: Manchmal hat man den Eindruck, dass die EU für Sie eher einem Albtraum gleicht…

Klaus: Ein Traum ist der EU-Beitritt für mich wirklich nicht. Aber wir haben keine Alternative. Wir waren und sind immer in Europa. Heute kann man nicht ohne EU-Mitgliedschaft in Europa sein. Das ist eine Ehe der Vernunft, nicht der Liebe. Für ein mitteleuropäisches Land, das nicht auf einer Insel oder am Rande Europas liegt, ist es ganz einfach unmöglich, nicht der EU beizutreten.