Allzu viel Kritik schadet dem Firmenimage, vor allem wenn sie auch noch in Rundfunk und Fernsehen zu hören ist. Wohl deshalb versuchen immer mehr Unternehmen, die Übertragungsrechte bei Hauptversammlungen zu beschneiden.

Prominentes Beispiel: die Allianz, die für den kommenden Dienstag wie jedes Jahr auch Journalisten zu ihrer HV nach München geladen hat. Doch eigenartig: Das Aktionärstreffen, so belehrt der Allianz-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Liesen den ARD-Journalisten Christoph Arnowski jetzt per Brief, sei eine "private Veranstaltung". Und diesem Charakter würde, so Liesen weiter, "eine Übertragung im Fernsehen ... entgegenstehen". Die Reden des Vorstandes und des Aufsichtsratsvorsitzenden dürfen die Fernseh- und Rundfunkjournalisten mitschneiden und filmen. Danach ist für sie Schluss mit der Pressefreiheit.

Tonbandgeräte und Kameras müssen auf Weisung der Allianz-Oberen ausgeschaltet werden. Kritische Aktionäre wollen die Allianzler offenbar nur ungern in den Nachrichten sehen und hören. Das jedenfalls vermutet nicht nur Arnowski, sondern auch der bayerische Journalistenverband. Der hat von den bayerischen Dax-Unternehmen HypoVereinsbank, Allianz und Münchener Rück je eine Aktie gekauft. Als Anteilseigner will der Verband die Unternehmen nun zwingen, die Aktionäre selbst entscheiden zu lassen, ob ihre Reden mitgeschnitten und gefilmt werden dürfen. Bei manchen Unternehmen, wie etwa adidas, ist das übrigens längst Praxis. Nur wenn ein Anteilseigner dies ausdrücklich verbietet, ist das Filmen und Mitschneiden seines Redebeitrages verboten.