Irgendwann erwischt es jeden von uns. Gut erzogene Jugendliche machen in der U-Bahn Platz. Marktforscher bitten in der Einkaufszone um ein Interview über die Erfahrung mit den dritten Zähnen. Und die Kinder beginnen zu schmunzeln, wenn sie unsere Handys oder PCs inspizieren. Nicht etwa, weil die High-Tech-Geräte alt sind. Sie gelten nur als veraltet. Und das geht heutzutage immer schneller.

SMS ist längst von gestern. Nur wer MMS, also Bilder, verschicken kann, imponiert. Aber was, um des Fortschritts willen, ist so bedeutend, dass man es jetzt sofort sehen muss? Ach ja: die dampfende Kaffeetasse, mit der Inga ihrem neuen Freund Thorsten fünf Minuten nach dem Abschied via Handy sagen will, dass er an diesem späten Abend viel zu früh gegangen ist. Ein nicht gerade überzeugendes Beispiel? Mag sein. Aber viel bessere fallen den Protagonisten des neuen Dienstes zurzeit noch nicht ein. Kein Wunder, dass die ältere Generation so ihre Zweifel hegt. Selbst das Bild vom Enkel, der im Urlaub am Strand die erste Sandburg baut, taugt nur bedingt, um uns in die Läden zu treiben.

Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass das noch nicht alles gewesen ist, was der Fortschritt so mit sich bringt. Das gilt auch für UMTS, den nächsten Mobilfunkstandard. Zwar hat noch niemand ein echtes Problem entdeckt, das die neue Technik zu lösen vermag. Doch dafür wird es erst einmal spaßig: mit jeder Menge Spiele und Videoclips. So konzentriert sich beispielsweise Jamba, ein junges, erfolgreiches Unternehmen, das Dienste fürs Handy entwickelt, nur auf Kids: Es lässt Biene Maja, Tabaluga, die Muppets und Garfield über die Displays hüpfen. Das ist ja alles ganz nett. Aber, liebe Jamba-Chefs und Kollegen: Wer kümmert sich um uns, die Generation 50-plus?

Junge, alte und vor allem kreative Unternehmer, hört die Signale. Glauben Sie uns: Es handelt sich um einen ganz offensichtlichen Irrtum, wenn wir als Technikmuffel gelten. Richtig ist nur, dass wir nicht jeden Schnickschnack haben müssen. Aber warum fällt den Marketing-Experten nichts Besseres ein, als Kinder und Jugendliche mit Klingeltönen und Comics um ihr mühsam erstrittenes Taschengeld zu bringen?

Solange es keine nützlicheren Angebote gibt, reicht es uns, mit den kleinen Dingern zu telefonieren. Apropos klein. High hin, Tech her: Ohne Brille geht nichts mehr. Schon mal was von altersbedingter Weitsicht gehört? Die stört allerdings nur beim Lesen, nicht beim Denken. Sonst hätten wir schon bei der Suche nach dem richtigen Handytarif aufgegeben. Um die 500 gibt es davon. Dass aber Designer die Geräte auf die Größe von Zigarettenschachteln schrumpfen ließen, zeugt von falsch verstandenem Ehrgeiz – und einer gehörigen Portion Ignoranz. Auch gegenüber einer weiteren Minderheit: Frauen. Im Kosmos einer ganz normalen, also ziemlich großen, Tasche sucht frau so ein Ding wie sonst nur ihre Schlüssel. Das müsste nicht sein!

Nun zum Computer. Wahre Rennmaschinen inzwischen; sogar mit großen Bildschirmen, die bezahlbar sind. Jede Menge Software und das Internet. Wunderbar! Eigentlich. Aber auf den Rechnern ist heutzutage so vieles installiert, dass man schnell den Überblick verliert. Doch wir sind zäh: Windows, Word, Browser, ISDN, DSL – alles im Griff. Irrtum. Beim Computerkauf stellt sich schnell heraus: Ein guter Verkäufer übertrumpft jedes Know-how. Spätestens mit dem Hinweis auf den "512 KB Second Level Cache" erobert er die Hoheit über dem Ladentisch zurück. Und dann: Welche Telefongesellschaft, welcher Provider? Ein Abo-Service statt Call by Call oder doch besser eine Flatrate? Fragen über Fragen, auf die es Antworten gibt. Aber von wem?

Hallo, Servicegesellschaft! Wir sind zwar alt, aber nicht blöd. Wir sind auch bereit, für guten Rat zu zahlen. Aber diese Hotlines sind einfach uncool. Meistens besetzt. Oder man landet in der Schleife. Wer sucht bloß diese Musik aus, die da unentwegt dudelt? Moment. Wir wollen jetzt nicht ungerecht werden. Die Chefs dieser Hotlines haben ja ein echtes Problem. Mehr Mitarbeiter kosten mehr Geld. Mehr Musik bringt mehr Geld – nur leider niemanden voran. So simpel ist das.

Im Prinzip ist alles so einfach, dass es womöglich für Experten nur schwer zu begreifen ist: Die Menschen haben unterschiedliche Haushalts- und Zeitbudgets. Warum nur konzentrieren sich Designer, Marketing-Chefs und Service-Beauftragte ausgerechnet auf jene, bei denen sie um beides kämpfen müssen? Kids und Jugendliche haben meist nicht so viel Geld, später dann keine Zeit mehr.