Vor Australiens Nordostküste erstreckt sich in einer Länge von 2000 Kilometern vom tropischen Norden bis zum südlichen Wendekreis das Great Barrier Reef: schillerndes Universum von 2000 Fisch- und 400 Korallenarten, Labyrinth aus Wasser, Licht und Kalziumkarbonat. Der amerikanische Unterwasserfotograf David Doubilet taucht dort seit mehr als dreißig Jahren im Auftrag von "National Geographic" ab. Eine Auswahl seiner brillantesten Aufnahmen stellt er nun in dem Bildband "Great Barrier Reef" vor. Wo die Nesseltentakel der Seeanemone wie Feenhaar durchs Wasser wehen, stellt er bunten Clownfischen nach. Er sieht Teufelsrochen über Brokkolikorallen schweben und den Napoleonfisch (unser Bild) durch Wälder aus gelben Seefedern jagen. Das Wunder der Formen und Farben verwandelt Doubilet in Stillleben von surrealistischer Anmutung. Seine biologisch versierten Texte erzählen von Fischen, Wirbellosen und deren paradiesischen Weideplätzen in den Spalten der Hirnkorallen. Aber auch vor dem allmählichen Absterben des größten lebenden Organismus der Welt warnt der Fotograf. Er weiß, was es bedeutet, wenn immer mehr Schaulustige mit Tauchermasken lahme Seegurken und flinke Süßlippenschwärme stören. CS

David Doubilet: "Great Barrier Reef"; aus dem Englischen von Karin Szpott; National Geographic Society, Hamburg 2002; 208 S., 39,– Euro