Heiße Küsten, klassische Kulturlandschaften: Der Reiseführer Adria und Hinterland kundschaftet die Attraktionen der Romagna und des Montefeltro aus: das teils verwunschene, teils touristisch vollständig erschlossene Dreieck zwischen Ravenna, Cattolica und Urbino im Hinterland. Jenseits der Ferienhochburgen macht sich Autor Diethelm Blecking auf die Suche nach dem guten Leben. Im Tal des Marecchia besichtigt er die "poetischen Orte" des Künstlers und Schriftstellers Tonino Guerra, der dort eine Wunderwelt von Installationen und Naturdenkmälern schuf. Rundtouren per Auto und Fahrrad führen zu den ländlichen Adressen des agriturismo. Und weil die Liebe auch auf dieser Reise durch den Magen geht, hat der Autor selbst in den abgelegensten Orten die Restaurants getestet. Hier ein Täubchen auf wildem Fenchel, dort ein Sangiovese Riserva aus dem Eichenfass. Dass es ein Irrtum ist, nördlich der Alpen zu leben, beweist Blecking bis zur letzten Seite seines ebenso vielseitigen wie motivierenden Wegweisers.

Diethelm Blecking: "Adria und Hinterland"; Oase Verlag, Badenweiler 2003; 288 S., 18,– Euro

Deutschlands wilder Westen beflügelt die Fantasie. Autoren wie Jacques Berndorf, Petra Hammesfahr und Gisbert Haefs schrieben Kriminalromane, deren blutige Schauplätze in der beschaulichen Eifel liegen: Leichen auf dem Nürburgring und Todesfallen in Euskirchen. Josef Zierden, Kenner der Region, stellt die größtenteils authentischen Tatorte in dem Krimi-Reiseführer Eifel vor. Wie kann ein Rebstock von der Ahr zur Mordwaffe werden? Wo verwandelt sich eine friedliche Moorlandschaft in lebensgefährliches Gelände? Die Idylle und Scheinidylle zwischen A(achen)und Z(ülpich) erforscht der Autor, als sei er mit der Spürnase eines Meisterdetektivs ausgerüstet. Er versorgt den Leser mit einschlägigen Adressen von Hotels und Restaurants, in denen fiktive Verbrecher ihren Opfern auflauerten. Mitten ins Verderben könnten diese krummen Touren führen, wenn Fachwerkherrlichkeit und Waldeinsamkeit nicht viel zu schön zum Sterben wären.

Josef Zierden: "Eifel"; Krimi-Reiseführer; KBV Verlags- und Mediengesellschaft, Hillesheim 2003; 208 S., 16,50 Euro

Der Luxus der Langsamkeit liegt auf dem Wasser. Die Road to Mandalay , ein umgebauter Rheindampfer, kreuzt auf dem Irrawaddy und läuft die alten birmanischen Königsstädte Pagan und Mandalay an. Diese und elf weitere river cruises stellt die Reisejournalistin Nicole Schmidt in dem Bildband Flussreisen vor: mit der MS Europa den Amazonas hinauf, an Bord der Mozart über Donauwellen, Kapitänsdinner auf der Yurij Andropov zwischen Moskau und St. Petersburg. Passend zur Ringelpiez-Stimmung der nicht ganz taufrischen Passagiere pflegt die Autorin den flotten Ton, wenn das fette Leben rund um Kaviar und Indoor-Golfanlage zur Debatte steht. Gewissenhaft und kompetent erteilt sie Lektionen in Landeskunde und Kultur, sobald der Landgang zum Dresdner Zwinger, zum Pont du Gard oder zu Shanghais Wolkenkratzern führt. Der österreichische Fotograf Heimo Aga sorgte für die bunte Optik dieses Gute-Laune-Logbuchs. Sanft ironisch bildet er Szenen einer fragwürdigen Behaglichkeit ab, tendiert jedoch ansonsten zu konventionellen Einstellungen, wie man sie aus Werbebroschüren kennt.

Heimo Aga/Nicole Schmidt: "Flussreisen". Walter Hädecke Verlag, Weil der Stadt 2002; 216 S. mit 170 Fotos, 49,90 Euro