die zeit: Sie sind Expertin für Berufs- und Karrierefragen beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Darf man ein Ingenieurstudium auch dann wagen, wenn man eine Drei in Mathe oder Physik hat?

Susanne Ihsen: Ich kenne hervorragende Ingenieure, die behaupten, sie hätten nie einen Leistungskurs in Mathe oder Physik besucht oder wären in diesen Fächern ganz schlecht gewesen. Trotzdem ist es für den Einstieg ins Studium sehr nützlich, solides Wissen in Mathe, Physik oder Informatik mitzubringen. Man sollte zumindest die Denke verstanden haben und wissen, wie die einzelnen Fächer strukturiert sind. An vielen Unis kann man fehlende Kenntnisse aber auch über Vorkurse nachholen.

zeit: Ingenieur ist nicht gleich Ingenieur…

Ihsen: Ja, und bei den Ingenieursstudiengängen gibt es eine große Vielfalt: Sie können Maschinenbau, Anlagenbau, Elektro- oder Werkstofftechnik, aber auch Verfahrenstechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Man sollte sich vor Studienbeginn darüber klar werden, in welchem Bereich man später arbeiten möchte. Viele Studiengänge heißen gar nicht so wie der Beruf. Wer zum Beispiel später mal Flugzeuge bauen will, muss sich zunächst die Grundlagen eines Maschinenbaustudiums aneignen. Das schreckt manchen ab, weil es bedeutet, wieder Mathe, Physik und Chemie büffeln zu müssen.

zeit: Wie sehr legt sich ein angehender Ingenieur mit seinem Studienabschluss fest?

Ihsen: Man trifft damit schon eine Entscheidung. Jemand, der sich im Studium auf Werkstofftechnik spezialisiert, hat als Anlagenbauer kaum eine Chance. Wer einen Wechsel anstrebt, sollte sich ein Unternehmen suchen, bei dem es Schnittstellen gibt, und sich auf diesem Weg Kenntnisse auf einem anderen Gebiet verschaffen.

zeit: Ingenieure sind maulfaule Technikfreaks in Karohemd und Jeans. Was ist dran an diesem Klischee?