Woher kommt diese Kluft zwischen den Generationen? "Sie sind verschieden geprägt und haben unterschiedliche Interessen", erklärt der Schweizer Soziologe und Generationenforscher François Höpflinger. Die über 45-Jährigen seien oft in einem Unternehmen groß geworden, am Ende ihres Berufslebens angelangt und mit dem Erreichten zufrieden. Dahinter folge die Sandwich-Generation der 30- bis 45-Jährigen. Die seien der Doppelbelastung von Familie und Beruf ausgesetzt, hätten kaum noch Aufstiegschancen, besetzten aber oft schon Top-Positionen. Zum Leidwesen der unter 30-Jährigen, die sich dadurch in ihrer Lust auf Karriere gedeckelt fühlten. Diese zeichne dagegen Unbefangenheit gegenüber modernster Technik und aktuelles Fachwissen aus; zudem seien sie international geprägt und an unsichere Arbeitsplätze gewöhnt. Aus diesen Differenzen erwächst laut Höpflinger ein Konfliktpotenzial, das am größten dort sei, wo die Älteren mehr Macht, aber weniger aktuelles Wissen hätten.

Besserwisserei wird nicht verziehen

Studien belegen: In den Köpfen der Jungen wie der Alten grassieren Stereotypen, die das Miteinander der Generationen belasten. In der Befragung durch die Personalberatung Unique attestierten die Führungskräfte von morgen heutigen Managern zwar hohes Verantwortungsbewusstsein und Erfahrung. Sie warfen ihnen jedoch vor, sich in eingefahrenen Gleisen zu bewegen, veränderungsscheu zu sein und unsicher im Umgang mit neuen Techniken. Umgekehrt lobten die Älteren zwar Flexibilität und Mobilität der Jüngeren. Sie beschrieben ihre Nachfolger gleichzeitig als zu risikobereit, egoistisch und ignorant. Bremsklötze die einen, Hasardeure die anderen – so sehen sich die Generationen gegenseitig.

Im vergangenen Jahrzehnt gingen etliche Unternehmen dem Problem gestörter Generationenbeziehungen aus dem Weg, indem sie ältere Arbeitnehmer entweder nicht einstellten oder früh pensionierten. Universitätsabsolventen wiederum suchten ihr Glück in der New Economy, wo eine Unternehmenskultur herrschte, die zu ihrem Lebensgefühl passte. Der Jugendwahn in der Wirtschaft kursiert bis heute. Rund 60 Prozent der Unternehmen in Deutschland beschäftigen keine Mitarbeiter über 50, fand das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung heraus. Dessen ungeachtet werden junge Leute in den Unternehmen rarer. Umgekehrt stieg trotz der extensiven Frühverrentung zwischen 1993 und 1998 im selben Zeitraum der Anteil der über 55-jährigen Arbeitnehmer um 22 Prozent. "In einigen Teilbereichen bemerken wir, dass sich weniger junge Menschen auf Jobs bewerben", sagt Ute Drewniak, Diversity-Managerin bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Bereits in zehn Jahren wird nur noch jede fünfte Erwerbsperson unter 30 sein, prognostiziert die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit. 50 Prozent werden demnach zwischen 30 und 50 Jahre sein, 30 Prozent über 50.

Die Generationenlücke wächst. "Weil der Prozess schleichend ist, kümmert sich trotzdem kaum ein Unternehmen um ein besseres Verhältnis zwischen Alt und Jung", klagt Hartmut Buck. Der Leiter des Projekts Öffentlichkeits- und Marketingstrategie demografischer Wandel, das beim Fraunhofer-Institut angesiedelt ist und vom Bundesbildungsministerium gefördert wird, empfiehlt zur Vermeidung von Konflikten vor allem eines: altersgemischte Teams.

Ein Beispiel dafür sind Hans Roos, 60, und Markus Hörmann, 29. Bei der Deutschen Bank in Frankfurt bilden sie ein so genanntes Know-how-Tandem. Roos und Hörmann konzipieren und organisieren gemeinsam die bankinterne Weiterbildung. "Es macht Spaß, einen engagierten jungen Menschen von meinem Wissen und meinen Kontakten profitieren zu lassen", sagt Roos. Ein Dreivierteljahr bleibt noch bis zu seiner Pensionierung. Misstrauisch machten ihn junge Leute, wenn sie meinten, sie wüssten alles besser – "nur weil sie flinker mit der Maustaste sind".

Mit Markus Hörmann gebe es diese Probleme nicht. Deshalb habe er auch nicht geblockt, als der junge Kollege das komplexe Weiterbildungsprogramm der Bank als Diagramm im Intranet veranschaulichen wollte: "Obwohl ich anfänglich skeptisch war, dass das gelingt."