Dass der 30 Jahre ältere Teamkollege offen gegenüber neuen Ideen ist, gefällt Markus Hörmann. Roos habe es raus, Tipps zu geben, ohne oberlehrerhaft zu sein. "Deshalb machte es mir zum Beispiel nichts aus, ihn um Hilfe zu bitten, als ich neulich eine sehr hitzige Sitzung moderierte." Das Zweiergespann zeigt, dass Berufsanfänger und Betriebssenior vor allem eines voneinander verlangen: Wertschätzung.

Nicht jeder Konflikt hat mit dem Alter zu tun

Die Psychologin Ulla Dick rät Jobeinsteigern, sich als Lernende zu verstehen. Zwar seien Verbesserungsvorschläge prinzipiell positiv. "Wer aber im Hoppla-hopp-Verfahren die ganze Firma umkrempeln will, wird auf Ablehnung stoßen." Würden Ideen nicht umgesetzt, liege das nicht automatisch am Altersstarrsinn der Kollegen. "Ältere sind aufgrund ihrer Erfahrung besonnener. Das müssen Einsteiger bedenken." Dick warnt davor, jede Differenz dem Altersunterschied in die Schuhe zu schieben. Das beste Mittel gegen Generationenkonflikte sei eine persönliche Beziehung zwischen den Kollegen. "Kritisieren, loben, belehren – das ist unkomplizierter, wenn man sich kennt." So bemerkten die Jungen auch, dass Alte nicht zwangsläufig unflexibel und risikoscheu seien. Einer, der diese Erfahrung bereits gemacht hat, ist Otmar Fahrion. Der Chef eines Ingenieurbetriebs in Kornwestheim bei Stuttgart suchte vor zwei Jahren einen Mitarbeiter, der für ein sechsmonatiges Projekt nach Mexiko und in die USA gehen würde. Fahrion fragte drei junge Ingenieure. Der erste winkte ab, weil sein Handballverein nicht auf ihn verzichten konnte. Der zweite wurde Vater, der dritte feierte gerade Richtfest seines Häuschens. Ins Abenteuer gestürzt hat sich schließlich ein 62-Jähriger.

* Name von der Redaktion geändert