Generationswechsel in den Lehrerzimmern: In den nächsten zehn Jahren verlassen mehr als 300000 Pädagogen die Schulen, schätzt der Deutsche Lehrerverband. Schon jetzt herrscht Lehrermangel in einigen Fächern und Schulformen. Lehrer wird wieder als Beruf mit Zukunft gehandelt – und erscheint mit einem Mal vielen Abiturienten attraktiv. Seit es gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt gibt, steigt an den Universitäten die Zahl der Erstsemester in den Lehramtsstudiengängen.

Doch wie man ein guter Lehrer wird, lernt man an der Universität meistens nicht. Schuld daran ist die Struktur des Studiums. Wer später mal Englischunterricht geben will, sitzt gemeinsam mit den Magisterstudenten in der Anglistikvorlesung, künftige Mathelehrer lernen zusammen mit angehenden Diplom-Mathematikern. Ein Anglistik- oder Matheprof aber fühlt sich als Wissenschaftler und nicht als Lehrerausbilder. Was die Lehramtsstudenten unter ihren Hörern später mal können müssen, ist vielen Dozenten schlicht egal – und das, obwohl die künftigen Klassenkämpfer in manchen Fächern bis zu 80 Prozent der Studierenden stellen. Mehr noch: Die Lehrämtler werden oft sogar als lästig empfunden.

"Wie man unterrichtet, habe ich an der Uni nicht gelernt", erinnert sich Pia Menser*. Die 31-Jährige lehrt Englisch und Französisch an einem Gymnasium in Süddeutschland. Während ihres Studiums wurde sie zur Expertin für Shakespeares Komödien und die Synonymie. Welche Texte für den Unterricht in einer neunten Klasse geeignet sind oder wie man Schülern englische Grammatik beibringt, musste sie dagegen selbst herausfinden.

Abiturienten, die von ihren Studienjahren wenigstens ein wenig Berufsvorbereitung erwarten, sollten sich deswegen nicht in der erstbesten Universität vor ihrer Haustür einschreiben, sondern erst mal recherchieren. "Fragen Sie in den Fachbereichen nach, ob es einen eigenständigen Studienplan für die Lehramtsstudenten gibt und ob darin auch Fachdidaktik vorkommt", rät Ewald Terhart, Lehrerbildungsexperte und Professor für Pädagogik an der Universität Münster. Weiter geht’s zu den Erziehungswissenschaftlern. Haben sie angehenden Lehrern viele interessante Seminare zu bieten? Schließlich kümmern sich Erziehungswissenschaftler nicht nur um die Schule, sondern zum Beispiel auch um Weiterbildung und Freizeitpädagogik.

Praktika sind mittlerweile überall Teil des Studiums. Trotzdem muss man nachfragen: Darf ich selbst in einer Schulklasse unterrichten und wie lange? Wer betreut mich dort? Nimmt an der Uni jemand Notiz von meinem Praktikum? Häufig kommen die Studenten von ihrem Schulausflug zurück an die Hochschule, ohne dass die Dozenten mit ihnen besprechen, welche Erfahrungen sie dort gemacht haben. Forschungen zeigen jedoch, dass gerade das sehr nützlich wäre.

Auf Lob kann man als Lehrer lange warten

Ein wenig und ganz vorsichtig darf man zurzeit als Studienanfänger auch darauf hoffen, dass die Hochschulen die Lehrerausbildung verbessern. Nordrhein-Westfalen will die Universitäten zum Beispiel verpflichten, so genannte Kerncurricula zu erarbeiten, also festzulegen, welche Themen Lehrämtlern unbedingt angeboten werden müssen. Auch Niedersachsen und Rheinland-Pfalz haben entsprechende Pläne. Baden-Württemberg führte für künftige Gymnasiallehrer ein verbindliches Praxissemester nach dem Grundstudium ein – das allerdings auch deshalb umstritten ist, weil dafür das Referendariat um ein halbes Jahr gekürzt wurde.

Für Aufsehen sorgten die Universitäten in Greifswald, Bochum und Bielefeld. Dort studieren die künftigen Lehrer nach angelsächsischem Muster in zwei Stufen. Erst machen sie einen Bachelor- und anschließend einen Master-Abschluss. Die Universität Erfurt hat fest vor, im nächsten Wintersemester ebenfalls damit zu starten. Rheinland-Pfalz will das gestufte System bei den Lehramtsstudiengängen gleich flächendeckend einführen; auch an anderen Unis denkt man über das Modell nach. Die Reformer quälen sich mit einem Dilemma ab: Sollen künftige Lehrer erst nur ihre Fächer wie zum Beispiel Anglistik und Mathematik studieren, einen Bachelor machen und dann später im Master-Studium die Pädagogik draufsatteln? Dann könnten sie bei schlechten Berufsaussichten für Lehrer nach dem Bachelor, der ja ein eigenständiger Abschluss ist, noch umschwenken. Andererseits: Sollten die Lehrer der Zukunft nicht von Anfang an so gut wie möglich auf ihren Beruf vorbereitet werden? Das aber bedeutet, dass Schulpraktika und Pädagogik schon ins Bachelor-Studium gehören.