Nils Ohlmeier, 26, TU Berlin, 11. Semester Informatik

Bei uns macht sich im Augenblick Ernüchterung breit. Es war ja abzusehen, dass es irgendwann nicht mehr so rosig sein würde. Zu New-Economy-Zeiten sind an der Uni Headhunter herumgelaufen, und ich weiß von Freunden, die nicht nur einmal während des Studiums kräftig überlegt haben, ob sie jetzt weiterstudieren oder das Jobangebot annehmen. Die haben Angebote gekriegt, da hat man mit den Ohren geschlackert, und das ohne Abschluss. So was kommt überhaupt nicht mehr vor. Ein Freund von mir sucht hier in Berlin, der hat echt Probleme, was zu finden. Und er sucht schon eine ganze Weile.

Aber wenn man sich mehr Richtung Süden orientiert, München, Stuttgart, ist es besser. Ich würde sagen, wir sind auf den Boden der Realität zurückgekommen, und wenn man örtlich flexibel ist, geht’s noch halbwegs. Man darf eben nicht nur in der IT-Branche suchen, sondern muss sich auch in den anderen Bereichen umsehen – in der Metallbranche, in der Stoff verarbeitenden Industrie und sonst wo.

Ich habe zu einer Zeit angefangen, als es noch nicht so doll aussah, und hatte darum auch keine übersteigerten Erwartungen. Zurzeit arbeite ich beim Fraunhofer-Fokus-Institut als studentische Hilfskraft, und da ist noch offen, ob ich anschließend übernommen werden kann. Das wäre dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Nach New-Economy-Verdiensten ist das sicher nicht der attraktivste Job, weil es nur BAT wäre, aber ich fühle mich dort wohl, und es macht Spaß. So wie der Arbeitsmarkt aussieht, wäre ich nicht unglücklich, hier erst mal für zwei Jahre zu arbeiten. Aber wie gesagt, sicher ist es noch nicht. Bei der Fraunhofer-Gesellschaft haben sie gesagt, sie müssten erst sehen, wie viele sie dieses Jahr einstellen können. Das Geld sitzt eben nicht mehr so dicke.

Ich habe auch schon drüber nachgedacht, ob ich nicht weiterstudiere und als Student dort weiterarbeite. So nach dem Motto: "Studenten werden eher eingestellt als richtige Vollzeitkräfte, weil sie preiswerter sind". Und ich kann mit dem Geld auch ganz gut auskommen.