Gaby Streib, 29, Rechtsreferendarin

Ich möchte in den Staatsdienst gehen, und da sieht es zurzeit ja nicht so gut aus. In Berlin ist zum Beispiel Einstellungsstopp. Es gibt schon Momente, in denen ich mich frage: Was machst du, wenn du fertig bist? Ein Freund von mir ist im November fertig geworden, der hatte richtig gute Noten. Der wusste, er will Anwalt werden. Er hat jetzt erst was gefunden, und das auch nur als freischaffender Rechtsanwalt.

Selbst bei Anwälten ist es also sehr schwierig. Ich habe zwischendurch bei Gericht im Anwaltszimmer gejobbt, dort kommen die meisten Anwälte rein, wenn sie einen Gerichtstermin haben, und da gibt es natürlich auch ein Schwarzes Brett. Dort hängen ganz viele Bewerbungen: "Ich habe mein zweites Staatsexamen gemacht mit soundso vielen Punkten und suche…" Oder: "Wir suchen jemanden, der mit uns eine Praxis aufmacht." Tja, die suchen alle.

Ich gucke halt mal und versuche, mir nicht so viele Gedanken zu machen. Jetzt kommt ja erst mal das zweite Staatsexamen, und davon, wie ich abschneide, hängt im Endeffekt ab, ob ich überhaupt eine Chance habe. Wenn man das erste Staatsexamen hat, denkt man, das war’s. Irgendwann realisiert man, was es bedeutet, dass man das zweite ja auch noch machen muss. Ich war froh, als ich endlich einen Referendariatsplatz hatte. Aber ich habe die Woche davor auch eine wahnsinnige Panik gehabt, denn dann gibt es kein Entrinnen mehr, dann steht der Termin für das zweite Staatsexamen fest.

Doch ich kann mir jetzt auch nicht die nächsten eineinhalb Jahre Sorgen machen. Irgendwas wird sich schon ergeben. Ich kenne jemanden, der hat in beiden Examen nur "ausreichend", und der hat es jetzt nach langer Wartezeit doch irgendwie in ein Amt geschafft. Er hat sich ein gutes Jahr immer wieder beworben und sich in der Zeit mit anderen Dingen über Wasser gehalten, die nichts mit Jura zu tun hatten. Das gibt mir dann wieder Mut, weil ich sehe, auch er hat was bekommen.