Dagmara Lutoslawska, 28, FU, 9. Semester Theaterwissenschaften

Bei uns am Institut herrscht eine "Keine Ahnung, was wird"-Stimmung, und wenn ich den Stellenteil der Zeitung aufschlage, kriege ich schlechte Laune. Aber ich denke, sobald meine Magisterarbeit geschrieben ist und ich das wissenschaftliche Denkmuster in einer entlegenen Kopfecke verstauen kann, finde ich auch einen Job. Ob der mit meinem Studium zu tun hat, ist mir erst mal egal. Im gröbsten Sinne sind wir Kulturarbeiter, dementsprechend sind viele zum Fernsehen gegangen oder zum Radio, schreiben Drehbücher, manche werden Kritiker. Vielleicht kann ich was erfinden.

Ich habe schon den Wunsch, irgendwann einmal am Theater zu arbeiten. Wie das genau aussehen wird, ist mir aber noch unklar. Ein Jahr lang habe ich Journalismus ausprobiert, aber im Moment ist das schwierig: überall Einstellungsstopps und Kürzungen, sodass man monatelang nur Praktika macht, ohne Aussicht auf eine freie Mitarbeit.

Die Nochstudenten, die ich kenne, sind hauptsächlich darauf aus, an der Uni zu bleiben. Und da sieht die Situation gar nicht so schlecht aus, zumindest nicht an der FU. Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit, sich mit Projekten durchzuschlagen. Da ich Polnisch spreche, bieten sich für mich Dinge an, die mit Polen und Osterweiterung zu tun haben: Theatersachen, Übersetzungsarbeiten, Utopieproduktionen, so was.

Viele Theaterwissenschaftler wollen etwas mit Theater machen, auch wenn das Studium eigentlich überhaupt nicht auf Theaterarbeit vorbereitet. Freunde von mir haben sich an Theatern beworben, denen wurde gesagt: "Eigentlich reden wir gar nicht mit Theaterwissenschaftlern." Trotzdem kenne ich auch andere, die an Theatern untergekommen sind.

Am Anfang meines Studiums, oder vielmehr stattdessen, habe ich sehr viele Praktika und Assistenzen gemacht, und da kam eigentlich immer das Angebot, zu bleiben. Manchmal ärgere ich mich, dass ich da nicht einfach zugesagt habe. Aber ich dachte immer, man müsste zu Ende studieren.