Daniel Rahaus, 24, Humboldt-Uni, 8. Semester Management/Economics

Ich werde jetzt noch mal ins Ausland gehen, für ein Semester nach Moskau, das trifft sich gut mit der derzeitigen Lage auf dem Arbeitsmarkt. Viele, die im Moment die Diplomarbeit schreiben, haben noch nichts in Aussicht und machen sich Gedanken. Wir hatten jetzt die "Job-Connection" an der Humboldt-Uni, eine Messe, wo Firmen sich den Studenten vorstellen, und das war ziemlich mau. Wenn sich da ein großes deutsches Unternehmen hinstellt, eine Verlagsgruppe, und zwei Trainee-Plätze für Gesamtdeutschland anbietet, fragt man sich schon, warum die mit drei Leuten anrücken.

Trotzdem glaube ich, die Leute, die sich bemühen und im Studium auch ein bisschen links und rechts geguckt haben, werden auch was finden. Viele machen jetzt parallel zur Diplomarbeit ein Praktikum und versuchen über die Schiene, irgendwo hineinzukommen. Gerade bei den Wirtschaftswissenschaftlern haben extrem viele auch Auslandserfahrung. Ich selbst war ein Jahr in Australien. Ein Freund von mir ist jetzt nach dem Examen dorthin gegangen, und der hat innerhalb von zwei Monaten einen Job gekriegt. Das ist natürlich ein großer Schritt, aber ich schließe das auch für mich nicht aus.

Zwei andere Freunde machen ein Praktikum in Tschechien beziehungsweise der Slowakei. Das sind so Dinge, wo man sagt, na ja, nach Bratislava, davon träumt man nicht gerade ... Aber das ist ja mit dem Flugzeug nur eine Stunde entfernt von Berlin.

Von der Sache mit Moskau habe ich zufällig gehört. Ich war da noch nie. Ich gehe hin, weil es mich interessiert. Die deutsche Wirtschaft ist ja angeblich total scharf auf Russland. Nur hinzugehen scheinen eher wenige, der Sprache und der Mentalität wegen. Ob ich da würde leben wollen, weiß ich aber noch nicht.

Vor allem denke ich, dass man optimistisch in die Zukunft schauen muss. Denn warum man ausgerechnet in Deutschland auf junge, gut ausgebildete Menschen verzichten kann, ist mir nicht ganz klar.