Gesucht: Faktor X

Eva Wanka, 25, Medizinmeteorologin, erforscht an der Uni München, wie das Wetter auf den Körper wirkt

Das Phänomen Wetterfühligkeit gibt uns noch viele Rätsel auf, weil man nicht weiß, wie viele meteorologische Faktoren eigentlich dafür verantwortlich sind. Es könnten mehrere sein oder auch nur ein Einziger. Die Suche nach dem unbekannten Faktor X ist schwierig und aufwändig.

Ich führe gerade eine Wetterfühligkeitsstudie durch, die gleichzeitig meine Diplomarbeit ist. 50 Probanden zwischen 21 und 85 Jahren, die sensibel auf Wetterschwankungen reagieren, haben sechs Monate lang in einem Tagebuch ihr Befinden protokolliert. Ich gleiche die Ergebnisse mit den Wetterdaten ab. So will ich feststellen, ob Luftdruckschwankungen Wetterfühligkeitssymptome wie zum Beispiel Narben-, Phantom- oder Kopfschmerzen verursachen.

Früher hatte ich nie etwas mit dem Wetter zu tun, aber in der 12. Klasse hörte ich zufällig den Vortrag einer Medizinmeteorologin vom Deutschen Wetterdienst, und mir wurde klar, dass dieser Beruf eine gute Verbindung zwischen Sozialem und Naturwissenschaftlichem ist – also genau richtig für mich. Ich habe dann ein Meteorologie-Studium in Köln angefangen, aber es gibt keine Spezialisierung auf Medizin. Die meisten Absolventen gehen in die Klimaforschung, Medizinmeteorologen werden nur wenige. Man muss sich also selbst kümmern. Ich habe zum Beispiel auf einer Biometeorologie-Tagung all meinen Mut zusammengenommen, Peter Höppe vom Institut für Umweltmedizin der Universität München zwischen Tür und Angel abgefangen und ihn gefragt, ob ich meine Diplomarbeit bei ihm schreiben könnte.

Medizinmeteorologie ist in den letzten ein, zwei Jahren sehr populär geworden. Das merkt man auch daran, dass es verstärkt Biowetter-Vorhersagen gibt. Davon halte ich allerdings nicht so viel, denn dadurch werden die Leute eher verunsichert. Medizinmeteorologen sind auf mehr als 20 Krankheitsbilder gestoßen, die bei kritischen Wetterlagen verstärkt auftreten, dazu gehören Migräne bei warmen Tiefvorderseiten oder Asthma im Zentrum eines Tiefs. Aber Wetterfühligkeit ist eine sehr subjektive Sache. Laut Umfragen ist jeder zweite Bundesbürger betroffen, doch oft schieben die Leute einfach gern ihre Wehwehchen auf den Föhn oder die Kaltfront. Wenn ich meine eigene Studie ausgewertet habe, wird sich möglicherweise herausstellen, dass nur ein geringer Teil der Probanden wirklich wetterfühlig ist. Die könnten dann in einer Anschlussstudie in eine so genannte Expositionskammer gesteckt werden, in der man Luftdruckschwankungen simulieren kann, sodass man nachher dem Faktor X ein kleines bisschen näher ist.