Unterwegs sein

Christian Eihausen, 34, zieht um, bevor Routine einsetzt

Christian Eihausen war schon ein mobiler Mensch, als noch niemand von der Lust oder Last des ständigen Unterwegsseins redete. Während seines Studiums wechselte er für ein Semester von Darmstadt nach Eindhoven in Holland, studierte in Chicago und arbeitete ein halbes Jahr in Malaysia. Später ging er zum Konsumgüterkonzern Procter & Gamble: als Finanzanalyst, ohne festgelegten Dienstort. Heute weiß er, was das heißt. Seit 1996 ist er viermal umgezogen, hat sechsmal die Aufgabengebiete gewechselt und noch öfter seine Chefs.

Job-Rotation heißt das Prinzip, durch das jeder Procter & Gamble Mitarbeiter in wenigen Jahren einen guten Teil der Welt bewohnen kann. Vorausgesetzt, er zeigt "Initiative und Risikobereitschaft", wie es in der Firmenphilosophie heißt. Was das für Berufsanfänger bedeutet, hat Eihausen sofort erfahren: "Ich musste direkt Verantwortung übernehmen, weil mein Vorgänger nach wenigen Wochen selbst an einen neuen Standort wechselte", erzählt er. Ihm war das gerade recht.

Eihausen wurde zunächst nach Hamburg geschickt. Für ein Jahr. Dann wechselte er nach Schwalbach in die deutsche Zentrale. Zuerst trieb er die Einführung des Softdrinks Sunny Delight in Europa voran, dann tauschte er die strategische Arbeit gegen Verantwortung im Verkauf. Nebenbei sorgte er dafür, dass sich genügend Uni-Absolventen für Procter & Gamble interessierten und dem Unternehmen der Nachwuchs nicht ausging. Er installierte Campus-Teams an den Universitäten, lud Bewerber zu Koch-Events ein und organisierte Auslandspraktika. Eine gute Zeit war das, mit vielen Ergebnissen. Eihausen war zufrieden und wurde doch wieder unruhig. Bevor Routine einsetzte, wurde es Zeit für den Absprung. "Irgendwann flacht die Lernkurve ab. Dann ist es sinnvoll, nach neuen Aufgaben zu suchen", sagt er.

Die bekam er: in Genf, der europäischen Zentrale des Unternehmens. Wenige Monate zuvor war er Vater geworden. Seine Frau verkaufte ihre Anwaltskanzlei in Frankfurt und zog mit dem Sohn hinterher. "Wir treffen jede Entscheidung gemeinsam. Wenn meine Frau einen Ort ablehnt, gehen wir da nicht hin." Entweder sie ziehen gemeinsam um oder gar nicht, denn Eihausen will nicht leben wie viele seiner Kollegen, die Frau und Kinder nur am Wochenende sehen, weil sie Hunderte von Kilometern entfernt arbeiten. Vor jedem neuen Umzug setzt er sich mit seiner Frau zusammen, teilt ein Blatt Papier in zwei Hälften und schreibt auf die eine Seite die Vorteile, auf die andere die Nachteile des neuen Lebensumfeldes – erst dann wird entschieden.

Auch in der Schweiz hielt es Eihausen nicht lange: Um sein Bild als Manager noch runder zu machen, fehlten ihm Erfahrungen in der Personalführung und im Accounting. Es bot sich die Gelegenheit, die Lücke zu füllen – anderswo.