Nicht nur der Erreger der Lungenseuche SARS agiert im Jet-Zeitalter global. Schneller als die bösen Viren werden schlechte Nachrichten über sie verbreitet. Das ist gut. Das ist schlecht. Das ist ein Desaster.

Gut, weil die internationale Medienaufmerksamkeit China zu mehr Offenheit zwingt und so das Machtvakuum der Weltgesundheitsorganisation (WHO) füllt, die nur mit Billigung der betroffenen Staaten helfen darf. Die veröffentlichte Angst sorgt auch dafür, dass sich importierte Infektionen selbst in Staaten wie Indien, Indonesien oder Rumänien bisher nicht weiter ausbreiten - Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Schlecht sind die Schlagzeilen für die Wirtschaft. Singapur hat seine Wachstumsprognose deutlich nach unten korrigiert. Finanzexperten sehen ähnliche Entwicklungen für fast alle asiatischen Märkte voraus. Andererseits haben Menschen ein schlechtes Katastrophengedächtnis. Erinnert sich noch jemand an BSE? Wie die Steakkonjunktur zu Beginn der Grillsaison könnte sich auch Asiens Wirtschaft nach Eindämmung der Seuche bald erholen.

Ein Desaster ist die gegenwärtige Aufgeregtheit um SARS, weil sie den Blick für die wahren Gefahren verstellt. In den Entwicklungsländern sterben 45 Prozent der Menschen an Infektionskrankheiten, die längst medizinisch beherrschbar sind. Am 25. April begeht die WHO den Africa-Malaria-Day.

Jahresbilanz des Wechselfiebers: 300 Millionen Erkrankte, mehr als eine Million Tote. Wirtschaftliche Folgen: 12 Milliarden Dollar Produktivitätsausfall. Jahr für Jahr - darüber kaum eine Schlagzeile.