Kurz nach der Ermordung von Zoran Djindjic brach in Belgrad eine Diskussion darüber aus, ob zwischen dem Attentat auf den Premier und dem Haager Kriegsverbrechertribunal ein Zusammenhang bestehe. Hatte doch der serbische Ewigradikale Vojislav Seselj kurz vor der Abfahrt nach Den Haag düster Djindjics Tod prophezeit. Was ist dran an der Verbindung?

Zoran Djindjic wollte um der guten Beziehungen zum Westen zahlreiche Offiziere der serbischen Armee und der Polizei an das Tribunal ausliefern.

Sogar der Sicherheitsberater des serbischen Präsidenten Vojislav Kostunica wurde verhaftet. Das zeigt, wie sehr der gesamte Apparat belastet ist. Kein Soldat und kein Polizist weiß, ob er nicht irgendwann einmal wegen Kriegsverbrechen in Bosnien, Kroatien oder im Kosovo angeklagt würde. Deshalb kann niemand ausschließen, dass Teile der Armee die Ermordung von Djindjic unterstützt haben.

Das ist ein Problem für die Offiziere, aber auch für den serbischen Staat.

Die Soldaten werden gebraucht, um etwa im Presevo-Tal im Süden mit albanischen Aufständischen fertig zu werden. Ohne die erfahrenen Kader in der Polizei wären die Fahndungserfolge im Fall Djindjic und in anderen Mordfällen nicht gelungen. Doch die Unklarheit darüber, wer demnächst ausgeliefert werden könnte, erschüttert beide Institutionen.

Was tun? Mit der bisherigen Mischung aus Wirtschaftshilfe und Haager Justiz kann der wachsende serbische Nationalismus nicht eingedämmt werden. Serbien braucht - offensichtlich - eine Reform der Polizei und eine Reform der Armee.

Den Anfang hat der neue Verteidigungsminister gemacht, indem er den Geheimdienst unter zivile Kontrolle gestellt hat. Der Westen könnte helfen, indem er die Ausbildung von Offizieren mitfinanziert. Vorrang sollte der Aufbau eines Rechtsstaates und einer liberalen demokratischen Kultur haben, nicht die Vergangenheitsbewältigung.