Im Alter von 77 Jahren schrieb sie ihre Memoiren, obwohl sie es nie vorhatte. Aber nachdem sie ein aufreibendes Amt verloren hatte, nutzte sie die Zeit, um aus ihrem überaus ereignisreichen Leben und ihren Erfahrungen zu erzählen.

Sie sagte einmal: Nicht die Juden sind das auserwählte Volk, sondern die Juden waren die ersten Menschen, die Gott wählten.

Ihre Kindheit wurde von bitterer Armut und heimlicher Angst beherrscht. Der Vater, ein Zimmermann, konnte seine Familie kaum ernähren, weil es für einen Juden keine Arbeit gab. Um aus dem Elend herauszukommen, beschloss er, nach Amerika auszuwandern. Frau und Kinder blieben bei den Großeltern. Drei Jahre später hatte der Vater eine feste Arbeit gefunden, doch als die Familie in Milwaukee ankam, hatte er keine Wohnung, sondern nur ein Zimmer für alle.

Als Erstes kleidete der Vater seine Kinder neu ein. Sie war begeistert, die große Schwester sträubte sich, so begann das Wiedersehen mit Spannungen.

Ihr gefiel es sehr gut in der neuen Heimat. Sie lernte schnell Englisch und ging gern zur Schule. Allerdings fehlte sie oft, weil sie im Laden ihrer Mutter helfen musste. Sie aber begriff, dass sie kämpfen musste und lernen.

Als sie sah, dass ihre Eltern ihre Berufswünsche nicht unterstützen wollten, zog sie zu ihrer älteren Schwester in eine andere Stadt. Während sie dort die Highschool besuchte und nebenbei jobbte, lernte sie bei ihrer Schwester jüdische Intellektuelle kennen, die alle beseelt waren von dem Gedanken, in Israel eine neuen Staat zu gründen. Sie begegnete einem jungen Mann, der sich für Dichtkunst, Malerei und Musik interessierte. Dinge, von denen sie wenig gehört hatte. Er kam aus ebenso armen Verhälnissen wie sie, und sie bewunderte ihn wegen seiner Sanftmut, seiner Intelligenz und wegen seines wundervollen Humors. Damals war sie 16, und drei Jahre später heirateten sie.

Es dauerte noch einige Jahre, bis sie mit ihrem Mann nach einer lebensgefährlichen Reise auf einem schrottreifen Schiff nach Palästina gelangte. Mit großem Elan stürzte sie sich in die Arbeit im Kibbuz und nahm noch zusätzlich Arbeit für Organisation und Vorträge an und bemerkte nicht, dass ihr Mann litt. Er wurde krank, und sie mussten, auf Anraten des Arztes, den Kibbuz verlassen. Vor allem wollte er auf keinen Fall im Kibbuz Kinder großziehen, er hasste es, zu allem und jedem die Meinung anderer einholen zu müssen.