In Usbekistan ist kürzlich die Zeitung Milij Talim verboten worden, das Blatt musste sein Erscheinen auf Anweisung der Behörden einstellen. Anders als die Frankfurter Rundschau, der wir die Nachricht entnehmen, ist Milij Talim nicht gerade unser Lieblingsblatt, aber eine Solidaritätsadresse hätten wir ohne weiteres zustande gebracht (Stichwort: Kollegen helfen Kollegen), hätte uns nicht die Verbotsbegründung stutzig gemacht und geradezu elektrisiert: Die Zeitung enthalte "zu viele Grammatik-Fehler".

Glückliches Usbekistan! Land, in dem die Grammatik Gesetzesrang hat! Land, das die Ermordung der Sprache nicht geringer ahndet als die einer Butterblume! Land, in dem die Innere Sicherheit nicht bei der Grammatik aufhört und das 24 Millionen Usbeken vor dem falschen Konjunktiv schützt! Ein Paradies, ganz ohne Frage. Wo bleiben die Herren Schill und Schily? Wer schützt die deutsche Grammatik strafbewehrt vor Missbrauch und Vergewaltigung?

Spannende Frage, welche unserer hochmögenden Zeitungen eine solche Initiative heil überstehen würden – von Funk und Fernsehen, wo der Konjunktiv blanke Schimäre oder Mähre oder Megäre oder was auch immer ist, ganz zu schweigen. Höchst ungewiss außerdem, wie viele der 80 Millionen Deutschen zwischen Subjekt und Objekt unterscheiden könnten, wenn es hart auf hart käme. Hat nicht Pisa Abgründe grammatischer Inkompetenz aufgetan? Ausgerechnet Pisa, als ob die Italiener Supergrammatiker wären. Die können ja nicht mal Deutsch, von Usbekisch gar nicht zu reden.

Aber jetzt die Eskimos. Haben arktische Temperaturen und Hütten aus behauenem Eis eine wohltätige Wirkung auf Sprachbeherrschung und Sprachreinheit? Anders gesagt: Je kälter, desto grammatischer? Genau. Iglu hat es gezeigt, der Vergleichstest von Grundschülern: Deutschland, nur geringfügig südlich des Nordpols gelegen, hat recht gut abgeschnitten, Litauen noch besser, und Schweden steht an der Spitze. Hingegen der Süden, Griechenland, Türkei: katastrophal. Die Hitze verdirbt die Grammatik, wie in Usbekistan.

Aber das Beste kommt erst. Die ZEIT ist im Besitz der vorerst noch geheimen Ergebnisse der allerneuesten Studie: Kakadu. Hier wurde die Apperzeptionskompetenz von Säuglingen gemessen, und siehe da: Die deutschen Säuglinge liegen, was die Grammatik betrifft, weit an der Spitze, vor Italien, Finnland, Korea und Usbekistan. Wenn die erst mal groß sind, dann muss keine deutsche Zeitung mehr verboten werden. Finis