Hart geht Altbundeskanzler Helmut Schmidt in seinem Beitrag Wider die Großsprecher (ZEIT Nr. 17/03) mit den deutschen Banken ins Gericht und wirft ihnen Versagen vor. Zugegeben: Nicht jedes Vorhaben im Kreditgewerbe war von Erfolg gekrönt, nicht jede Entscheidung erwies sich auch als richtig. Insbesondere wurden notwendige Kurskorrekturen zu spät vorgenommen. Pauschale Vorhaltungen ("haben zu viel in Aktien investiert", "sich am weltweiten merger and acquisitions- Zirkus munter beteiligt", "die Bonität des Kreditnehmers nicht sorgfältig genug geprüft") rechtfertigt dies freilich nicht. Zu vielschichtig sind die Ursachen für die aktuelle schwierige Situation der deutschen Kreditinstitute. Denn schon seit Jahren lasten die wirtschaftliche Entwicklung und die Strukturprobleme der deutschen Kreditwirtschaft wie Mehltau auf Banken und Sparkassen. Genau hier kommt die Politik ins Spiel. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland betrug in den vergangenen Jahren im Schnitt nur 1,5 Prozent – ein Wert, den heute zu erreichen wir schon froh wären. Die Zahl der Insolvenzen ist auf unglaubliche 40000 pro Jahr gestiegen. Die Folge davon ist eine dramatisch gestiegene Risikovorsorge der Banken und ein Rückgang der Erträge.

Die bittere Wahrheit lautet: Bankbilanzen spiegeln die Entwicklung der Wirtschaft wider. Seit Jahren ist das Problem bekannt, die Notwendigkeit tief greifender Reformen unbestritten. Doch was tut die Politik? Zu wenig, um die aufgestauten Probleme wirklich anzupacken. In diesen Tagen erleben wir in der Diskussion um die Agenda 2010 einmal mehr, dass es mit der Reformfähigkeit in Deutschland nicht zum Besten bestellt ist. Ein Festhalten an überkommenen Besitzständen hilft nicht.

Auch die Banken müssen ihre Hausaufgaben machen. Die Kosten müssen runter, auch über den Abbau von Personal, die Ertragslage muss verbessert werden. Das geht nur, wenn die Banken sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren und ihr teures Filialnetz ausdünnen und auf ein international vergleichbares Niveau bringen.

Schließlich – und hier ist einmal mehr auch die Politik gefordert – braucht Deutschland ein effizientes, wettbewerbsfähiges Bankensystem. Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Die überkommenen Strukturen mit einem völlig überdimensionierten öffentlichen Bankensektor werden dem nicht gerecht. Rund die Hälfte des deutschen Bankenmarktes ist in öffentlich-rechtlicher Hand – in einem Land, das auf seine Marktwirtschaft einmal zu Recht stolz sein konnte. In anderen Bereichen – Strom, Telekommunikation – sind die Vorteile einer Privatisierung dem Bürger bereits deutlich geworden. Warum werden sie ihm im Kreditgewerbe politisch vorenthalten?

Nur wenn die Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes gelingt, werden wir auch zukünftig im europäischen Markt ein gewichtiges Wort mitreden können. Heute sind uns viele unserer Nachbarländer in dieser Frage voraus. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir zum Spielball anderer. Einseitige Schuldzuweisungen greifen deshalb zu kurz. In der Tat bedarf es der von Helmut Schmidt geforderten "klaren Führung": In der Wirtschaft, also auch in den Banken, aber auch und gerade in der Politik.

Manfred Weber ist Geschäftsführender Vor- stand des Bundesverbandes deutscher Banken