London in seiner schönsten Trostlosigkeit: ein rostendes Busgerippe am Straßenrand, alte Autoreifen, zwei fiebrig bellende Hunde. Und mittendrin, gleißend und makellos, schier ungreifbar, die neue Laban Dance School.

Entworfen wurde die wundersame Erscheinung von den Schweizer Architekten Herzog und de Meuron, die vor drei Jahren ein Kraftwerk zur Tate Modern umwandelten und sich seither vor Aufträgen kaum retten können. Wie die Tate liegt auch das Tanztheater an der Themse, allerdings weiter stromabwärts, in einem verlumpten Gewerbegebiet. Der Neubau wirkt denn auch selbst wie eine Lagerhalle, zumindest auf den ersten Blick: karg, glatt, ein Kasten. Doch merkwürdig, irgendetwas irritiert das Auge, man schaut und schaut nochmals, versucht zu begreifen, warum diese Fassade schillert. Erst aus der Nähe erkennt man, dass dies Haus keine Wände hat, nur eine getönte Kunststoffhaut, mit der Herzog und de Meuron das Theater eingehüllt haben wie mit einem Cellophanpapier. Es hat auch keine Fenster, nur spiegelnde Rechtecke, große und kleine, frei über das Haus verteilt. Und einen (sichtbaren) Sockel gibt es natürlich ebenfalls nicht, nur einen kniehohen Spalt - das Theater schwebt, zumindest kann man das glauben. Es hat sich gelöst von allen Traditionen des Lastens und Tragens, so wie sich einst Rudolf Laban von den Regeln des klassischen Tanzes befreite. Seinen Hang zum Experiment haben Herzog und de Meuron in Architektur übersetzt, ohne sich zu verrenken, ohne zu fuchteln. Sie bewahren Ruhe und Strenge, dennoch sind ihre Häuser bilderreich und stecken voller Anspielungen. Und weil sie beides vereinen, das Lapidare und das Leidenschaftliche, zählen sie zu Recht zu den besten Architekten der Gegenwart.