Altbundeskanzler Schmidts Beitrag zeichnet sich durch die bei ihm gewohnte Klugheit aus -, nicht zuletzt durch seine Mahnung: "Wir Europäer dürfen uns nicht zu Instrumenten amerikanischer hegemonialer Macht machen lassen." Aber seinen Schluss-Satz empfinde ich als widersprüchlich und fatal: "Solange aber die supermächtigen USA darauf beharren sollten, unilateral, das heißt: allein zu entscheiden und unilateral militärisch zu handeln, so müssen wir das in gelassener Würde ertragen."

Das kann doch - hoffentlich! - nur ironisch gemeint sein. Das Gewaltverbot der UN-Charta ist eine der größten humanen Errungenschaften des ansonsten durch blutige Gewalt geprägten 20. Jahrhunderts. Ich denke, Alt- und Neueuropäer sollten die beklagenswerte Ohnmacht der UN gegenüber dem hegemonialen Machtanspruch der USA nicht zu "gelassener Würde" hochstilisieren. Sie sollten mit gemeinsamer Kraft die Autorität, die Wirkmächtigkeit und die Interventionsmöglichkeiten der Völkergemeinschaft stärken, um so die schleichende Ausdehnung nationaler präventiver Gewaltanwendung zu verhindern.

Robert Droste, Kirchhundem