E. H. Gombrich: The Preference for the Primitive. Episodes in the History of Western Taste and Art - Phaidon Press, Berlin 2002 - 324 S., Abb., 59,95 e

Sein Leben lang hat Ernst Gombrich in Geschichte und Gegenwart beobachtet und bedacht, dass die Kunstszene immer wieder sich dem Einfachen, Kompakten, Elementaren, insbesondere aber dem Primitiven verschrieben hat. Auf der letzten Documenta hätte Gombrich noch einmal diesen scheinbaren Rückfall in eine vergangene Kulturstufe beobachten können.

Das Buch bietet die neuzeitliche Geschichte dieser Vorliebe für edle Einfalt und stille Größe, für frühe Dichtung, für die Anfänge, für Rohformen und Rohmaterialien, wie sie Klassizisten, Präraffaeliten, alte und neue Wilde immer wieder gepflegt haben. Eine Erklärung für diese Phänomene findet der berühmte Kunsthistoriker schon bei Cicero: Der raffinierten und zuckrigen Reize werde der Mensch schnell überdrüssig, deshalb wende er sich dem Einfachen zu. "Es ist schwer zu sagen, woran das liegt", sagt der Philosoph.