Widersprüchlich ist der Sieg, den die Alliierten in diesen Tagen offiziell erklären werden. Widersprüchlich vor allem für diejenigen, die – wie die Mehrheit in diesem Land – den Krieg gegen den Irak stets abgelehnt haben. Saddam Hussein ist gestürzt; die Zahl der Opfer liegt, soweit sie bislang bekannt ist, deutlich niedriger als befürchtet; und mit jeder geöffneten Folterkammer wächst die Freude über das Ende des Tyrannen. Sollte am Ende aus den Kanonenrohren der amerikanischen Panzer doch etwas Gutes kommen? Und wenn dem so wäre, müsste man dann nicht jetzt, spätestens jetzt, die Amerikaner in ihrem Bemühen um einen politischen Neuanfang in der Region unterstützen?

Man sollte diese zwei Fragen auseinander halten: die Beurteilung des Krieges im Nachhinein und die Gestaltung der irakischen Zukunft. Es stimmt ja, die Schwarzmaler und Apokalyptiker haben Unrecht behalten; Strategie und Technik der Alliierten triumphierten. Dennoch ändert der Verlauf der vergangenen fünf Wochen nichts an dem Urteil, dass die USA mit diesem Krieg das Völkerrecht missachtet und einen prekären Präzedenzfall geschaffen haben. Auch über die mittelbaren Folgen des alliierten Sieges ist längst nicht entschieden: Wird der Irak tatsächlich demokratisch werden? Wird dieser Krieg eine neue Generation islamistischer Terroristen zeugen? Und wie werden sich andere "Schurkenstaaten" nun verhalten?

Es hat nichts mit Rechthaberei zu tun, an diese Fragen zu erinnern. Ebenso wenig ist es ein Ausdruck von Unterwürfigkeit, wenn sich die deutsche Außenpolitik trotz ihrer Fundamentalopposition nun auf die neuen Fakten im Irak einstellt. Genauer: wenn sich Deutschland am Wiederaufbau des im Krieg zerschossenen und von der Diktatur zermürbten Landes beteiligt.

Akademischer Streit

Die Bundesregierung hat trotz einiger schriller Töne ("Wer zerstört, bezahlt") an ihrer Bereitschaft hierzu nie einen Zweifel gelassen. Noch bevor die ersten Bomben fielen, wurde in Berlin über den Einsatz deutscher Blauhelme und über ein Hilfsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau diskutiert. Allerdings hat die Regierung ihr Engagement an die Bedingung geknüpft, dass der Wiederaufbau "unter dem Dach der Vereinten Nationen" stattfinde; in der jüngsten Erklärung der EU-Regierungschefs findet sich der vage Wunsch, die UN mögen künftig eine "zentrale Rolle" im Irak spielen.

Es gibt gute Gründe dafür, die Verantwortung für die Nachkriegsordnung auf mehr Schultern zu verteilen. An erster Stelle steht die Hoffnung, dass es den Irakern leichter fallen dürfte, ein Wort der Weltgemeinschaft zu akzeptieren als eines ihrer Besatzer. Dennoch haftet dem Streit über die Rolle der UN im Nachkrieg etwas Akademisches an. Denn jedes Mandat, das die UN erhalten, steht und fällt mit der Unterstützung der USA. Es gibt auch keinen Grund, Amerikaner und Briten nun aus der Verantwortung für die Sicherheit im Irak zu entlassen. Ein Blauhelmeinsatz steht daher vorerst nicht zur Debatte.

Polizei – eine deutsche Stärke

Also wird Deutschland wieder einmal bezahlen? Die Regierung käme in Erklärungsnot, wenn sie für den Wiederaufbau des potenziell reichen Ölstaates Milliarden zur Verfügung stellen würde, während sie den Arbeitslosen daheim gerade die Bezüge kürzt. Zur Erinnerung: 1990/91 beteiligte sich die Regierung Kohl mit rund acht Milliarden Euro am ersten Krieg gegen den Irak und erhöhte anschließend die Mineralölsteuer. Diesmal wird der deutsche Beitrag zwangsläufig bescheidener ausfallen. Deutsche Museen haben nach den kulturellen Verwüstungen in Bagdad ihre Hilfe angekündigt; Ausbildung und Aufbau der Polizei gelten als deutsche Spezialität; und auch bei der praktischen Aufarbeitung einer totalitären Vergangenheit ("Entbaathifizierung") könnte Deutschland gewisse Erfahrungen als Leitfaden anbieten.