In den vergangenen Jahrzehnten waren britische Gewerkschaften nicht eben erfolgsverwöhnt. Erst machte die "eiserne Lady" Margaret Thatcher ihnen das Leben schwer, dann die Labour-Partei, die ihre traditionelle Rolle als Arbeiterpartei über Bord warf. Nun allerdings gelang der Bauarbeitergewerkschaft ein bemerkenswerter Coup. Sie handelte eine Lohnerhöhung von 23 Prozent für ihre Mitglieder aus. Für 600 000 britische Bauarbeiter steigt der Grundlohn von 7,30 Pfund auf 9 Pfund in der Stunde.

Der Generalsekretär der Gewerkschaft Ucatt, George Brumwell, war so begeistert über seinen Verhandlungserfolg, dass man fast denken konnte, er wollte die Revolution ausrufen: "Die Menschen beginnen zu begreifen, dass Maurer, Tischler und Gerüstbauer und all die anderen Berufsgruppen, die wir vertreten, wertvoller für die Gesellschaft sind als Rechtsanwälte und Bankiers, Hausmakler und Politiker", jubilierte der Gewerkschafter.

Allerdings verdanken die Maurer die Lohnerhöhung nicht allein dem Verhandlungsgeschick ihrer Gewerkschaft. Die britische Bauindustrie hat in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Allein im letzten Jahr stieg die Zahl der Arbeiter in der Baubranche um 24 000 auf 1,89 Millionen an. Dieser Aufschwung liegt nicht zuletzt an den großen Anstrengungen der Regierung, die desolate Infrastruktur des Landes zu verbessern.