Martin Margiela ist der unexponierteste Star seiner Branche, "J. D. Salinger of the fashion world". Er lässt sich nicht fotografieren, gibt keine Interviews, und seine Kleider erkennt man an einem leeren Etikett. Geboren 1959, Belgier. Absolvierte die Royal Academy of Art in Antwerpen. Der Dekonstruktivist betreibt mit seinem Kollektiv Maison Martin Margiela Grundlagenforschung. Klassische Strukturen werden auseinander genommen und in konservativ handwerklicher Präzisionsarbeit neu zusammengesetzt. In einer Zeit, in der Produkte weniger wert waren als die "Stardesigner" und ihre Logos, hieß es bei Margiela: "Wir brauchen keine physische Gestalt, um unsere Arbeit zum Ausdruck zu bringen." Zufall, dass Margiela 1997 vom Traditionshaus Hermès zum Chefdesigner der Damenmode ernannt wurde?

Schwarz, Braun, Jeansblau, Militärgrün, Beige und Weiß – das waren bis heute die klassischen Farben und Kombinationsmöglichkeiten der Herrenkollektion. Diesen Sommer versetzt Margiela seinen Klienten einen kleinen Schock mit einer neuen Farbpalette: Neben klassischen Baumwollhosen in Beige, hellblauen Hemden, Kord- und Wildleder-Material und neu zusammengesetzten Jeans aus der Handwerksabteilung finden sich in der Sommerkollektion 2003 Westen und T-Shirts in Knallblau, Orange, Grün und Gelb.