Natürlich liegt eine gewisse Logik darin, dass Lokführer ähnlich bezahlt werden sollten wie Flugkapitäne, wenn das Bahnfahren teurer ist als das Fliegen. Aber über diesen formalen Gesichtspunkt hinaus halten wir es doch für unklug, ja geradezu tollkühn von der Gewerkschaft der Lokführer (GDL), in diesen Zeiten für einen neuen Tarifvertrag zu streiken. Hat die GDL denn nicht gesehen, was geschieht, wenn Bahnchef Mehdorn neue Tarife einführt?

Drei Prozent mehr Lohn, das klingt schön und schlicht - wie die Forderung nach Rettung der alten Bahncard. Oder nach dem Erhalt der Speisewagen. So wird es nicht kommen, Kollegen! Vielleicht geben sie euch drei Prozent mehr, aber nur auf Strecken unter einhundert Kilometern Länge zwischen neun und siebzehn Uhr fünfzehn. Dafür kriegt ihr sieben Prozent weniger nach Einbruch der Dunkelheit, wobei diese sieben Prozent halbiert werden können, wenn ihr zwei Zugbegleiter, die sich vor den Reisenden verstecken wollen, auf eurer Lok mitfahren lasst. Wenn ihr krank werdet, entfällt für drei Karenztage die Lohnfortzahlung - es sei denn, ihr habt die Krankheit vier Wochen vorher fest angemeldet. Dann bekommt ihr ein nichtalkoholisches Freigetränk und eine Einmalzahlung in die Sterbekasse für Lokführer.

Man wird euch zwingen, für jeden vergrämten Passagier Punkte auf einer Chipkarte zu sammeln. Und wenn ihr die Punkte einlöst, wird man euch dafür in Silberlamé "Ich mag Mehdorn" aufs Jackett sticken. Haltet ein! Ruft eure Gewerkschaft zurück! Noch nie war ein Streik so gefährlich wie heute.