Auf ein Panorama, wie es malerischer kaum sein kann, blickte der Künstler Otto Dix täglich. Aus seinem hoch gelegenen Haus auf der Bodensee-Halbinsel Höri schaute er über die Weite des Sees auf das gegenüberliegende Schweizer Ufer mit seinen bewaldeten Hängen. Das Haus mit der idyllischen Aussicht (heute: Otto Dix Haus) hatte der Maler 1936 bezogen, als er von den Nationalsozialisten aus dem Lehramt gedrängt worden war. Die dörfliche Abgeschiedenheit verstörte den überzeugten Großstadtmenschen. "Ein schönes Paradies. Zum Kotzen schön. Ich stehe vor der Landschaft wie eine Kuh", gestand Otto Dix nach seinem Umzug an den Bodensee. Erst allmählich konnte er den Reiz entdecken. Und begann zu malen wie im Rausch – in perfekt altmeisterlicher Manier. Mit der topografischen Wahrheit ging der Realist dabei überraschend frei um. Er scheute sich nicht, die Ufer des Bodensees mit Felsen und Gebirgen zu versehen (unser Foto) und drollige, knallbunt eingerahmte Bäume zu malen. In dieser fantasievoll, bisweilen dramatisch verfremdeten Natur schuf der Verfemte eine private Gegenwelt zur bedrohlichen Wirklichkeit. Die Landschaft, die ihn so sehr angeregt hat, verzaubert noch heute. Gleich vier Ausstellungen lassen die Plätze entdecken, an denen Otto Dix gelebt und gearbeitet hat. A.M.

DIX im Hegau und am Bodensee 1933 – 69. Bis 31.8. Städtisches Kunstmuseum und Rathaus in Singen, Otto Dix Haus in Hemmenhofen, Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen. Eintritt für alle 4 Museen: 7,50 Euro. Die DIX Karte erhält man in allen Start Kart Reisebüros und an Bahnhöfen, unter der Hotline 07531-9073-3 oderwww.artcities.com