Dieser Wortwechsel mit einem deutschen Kardinal hat, Ehrenwort!, wirklich stattgefunden: "Könnten Sie sich nicht wenigstens die Zulassung evangelischer Christen bei der Kommunion vorstellen?" – "Aber hören Sie, wenn Sie jemanden als Gast empfangen, führen Sie ihn doch auch nicht in Ihr Schlafzimmer!" – "Eminenz, ich fragte nach dem Esszimmer." Schlicht, aber deutlich: Für die katholische Kirche führt die Eucharistie in das Innerste nicht nur ihres Glaubens, sondern auch ihres Selbstverständnisses als Kirche. Dort haben Gäste nichts verloren, denn der Gast, das zeigt schon die lateinische Wortkunde, ist immer zugleich auch der Fremde – jedenfalls: der Andere.

Wie dieser Kardinal in seiner schlichten Emotion, so auch der Papst in seiner schroffen Enzyklika: Wer je auf ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten gehofft hatte (oder wenigstens auf eine auch von der römisch-katholischen Kirche offiziell gewährte Gastfreundschaft, wie sie von den Protestanten bereits angeboten und natürlich längst auch, inoffiziell, umgekehrt an vielen Orten praktiziert wird), der weiß nach dem jüngsten päpstlichen Rundschreiben endgültig, wo er steht, nämlich tief im Abseits – Anathema sit, er sei verworfen. So die Verurteilungsformel des gegenreformatorischen Trienter Konzils (1545 bis 1563), auf das sich Papst Johannes PaulII. am Gründonnerstag ausdrücklich berief.

War anderes je zu erwarten? Im Ergebnis – hier und jetzt – wirklich nicht! Aber die Begründungen, auf die der Papst sich bei seinem Veto stützte, wirken eben nicht nur hic et nunc, sondern auch et nunc et semper, also zugleich für immer. Mögen wichtige katholische Dogmatiker andere Wege gesucht haben, so bleibt es aus der Sicht des Vatikans dabei: Die Gastfreundschaft, erst recht die Gemeinsamkeit am Tisch des Herrn, setzt die volle Gemeinschaft mit der Papstkirche voraus, weil sie deren Vollendung ist und nicht etwa deren Vorbereitung.

Aus diesem römischen Zirkelschluss – erst eine Kirche, dann ein Abendmahl, erst mit einem Abendmahl eine Kirche – führt kein Weg heraus. Da nützt es nichts mehr, darauf zu verweisen – wie auch katholische Theologen dies tun –, dass sämtliche vom Papst wieder in aller Strenge genannten Maximalkriterien durchwegs jüngeren Datums sind als das Neue Testament – und also ebenso interpretationsbedürftig wie -fähig: das exklusive Weihepriestertum (mit dem Ausschluss der Frauen vom Amt), die in Wirklichkeit oft durchbrochene Apostolische Sukzession, die substanz-ontologische Transsubstantationslehre (1215).

Die entscheidende Konsequenz des ultimativen Sendschreibens dieses Papstes überschreitet den konkreten Anlass: Jeder Versuch, die Konfessionsgrenzen zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Kirchen der Reformation mit dem Ziel einer Kirchengemeinschaft zu überwinden, ist offenkundig aussichtslos – und zwar nicht nur hic et nunc. Die absehbare Zukunft gehört dem Nebeneinander zweier in sich schlüssiger, in ihrem Verhältnis zueinander aber asymmetrischer Kirchenmodelle: Hier das hierarchisch-hermetische römisch-katholische Modell, in dem das Selbstverständnis der Institution die Selbstauslegung ihrer Quellen überlagert, dort das pluralistisch-offene reformatorische Modell, in dem der freie Diskurs die Selbstauslegung der Quellen bis an die Grenzen (und zuweilen darüber hinaus) infrage stellt.

Dieses Nebeneinander zweier Parallelen, die einander frühestens (oder spätestens) im Unendlichen berühren, hat zumindest einen Vorteil: Sie können einander immer wieder korrigieren und vor allzu großer Schlagseite bewahren. Die Zeiten, in denen das inter-konfessionelle Gespräch unter dem Zwang der "Fahrradregel" stand ("Wer nicht strampelt, fällt um"), sind vorbei. Nicht etwa, dass erreicht werde, was nicht möglich ist, belebt die Beziehungen, sondern die Pflege dessen, was an Freundschaft schon erlangt wurde. Und das ist, zumal im Mutterland der Konfessionsspaltung, wahrlich nicht wenig. Warum sollte man das durch immer wieder erneuerte illusionäre Anläufe diskreditieren?

Nach dem jahrhundertelang währenden konfessionellen Konflikt gilt nun: Lieber die real existierende, friedliche konfessionelle Koexistenz statt eines unrealistischen konfessionellen Kompromisses. Manchmal ist eben weniger auch mehr.