Heute, da kann der Ottmar berichten, dass die Leute ihn sogar in New York erkennen, auf der Fifth Avenue, und dass sie ihn dort um Autogramme bitten. Angefangen aber hat das alles mit dem Traum zweier Buben am Zugersee im schweizerischen Mittelland, mit Höfi und Micky. Letzterer hieß eigentlich Miklos Szvircsev und war ein Ungarenkind, wie das damals hieß, 1956 in die Schweiz gekommen, klein und schlau wie kein anderes. Höfi war aus heimischem Gewächs, von dieser bodenständigen Art, die lieber eine Prügelei mehr eingeht als ein Wort zu viel verliert.

Höfi und Micky spielten Fußball bei den Junioren des Sportclubs Zug, dessen erste Mannschaft damals, anfangs der Sechziger, ein jämmerliches Dasein fristete in der zweiten regionalen Liga. Höfi war, wie man sich vorstellen kann, der eisenharte Verteidiger, Micky jedoch der Kreative im Mittelfeld.

Dann ereilte sie beide der Ernst des Lebens. Der schlaue Micky wurde Sportreporter, und wenn ihm eine internationale Karriere versagt blieb, sagt er, dann nur darum, weil er sich vor dem Fliegen fürchtete.

Höfi aber bewährte sich dort, wo die Manieren des wirtschaftlichen Aufschwungs am härtesten und die Gewinnchancen am verlockendsten waren, nämlich im Akkordbau, und als er 20 Jahre später als großer Bauunternehmner den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft hatte, beschloss er, die Präsidentschaft des SC Zug zu übernehmen und den Verein seiner Jugendfreuden in den Himmel des Ruhms zu hieven, in die Nationalliga A. Vielleicht war es auch Mickys Idee gewesen, und Höfi steuerte das Geld bei. Er war der Mann mit dem dicken Portemonnaie. Und den Emotionen. 1982 wurde der neue Präsident des SC Zug vom Verband wegen grober Unsportlichkeit für neun Monate gesperrt. Er hatte einen Schiedsrichter unflätig beschimpft und ihn in dessen Kabine an die Wand gedrückt.

Auch Ottmar Hitzfeld würde sich später einmal in Höfis Klammergriff wiederfinden, und wenn er heute mal von der Presse gepiesackt oder wenn ihm die Kritik seines Vorstands um die Ohren geschlagen wird, dann antwortet er manchmal, nichts könne ihn noch erschrecken, nachdem sein erster Präsident ihn einmal, nach einer Niederlage, fast erwürgt habe.

Ottmar stand damals, anfangs der achtziger Jahre, im Herbst seiner fußballerischen Karriere. Er war zweimal Schweizer Meister geworden mit dem FC Basel, Torschützenkönig in der Schweiz, ebenso beim VfB Stuttgart in der zweiten deutschen Bundesliga, 1980 war er zum FC Luzern gekommen. Und immer dann, wenn es um die Vertragsverlängerung ging, schoss Ottmar am meisten Tore.

Nichts konnte Micky, den Zeitungsreporter, mehr beeindrucken als solche Schlitzohrigkeit. Fast täglich trafen sich der Reporter und der Mittelstürmer zum Kartenspiel im Hotel Drei Könige zu Luzern. Unterdessen war der SC Zug unter Präsident Werner Hofstetter, genannt Höfi, in die Nationalliga B aufgestiegen, zweithöchste Liga der Schweiz. Otto Luttrop, der Trainer, wechselte in die Südschweiz, und Micky machte seinen Jugendfreund Ottmar Hitzfeld beliebt, als neuen Trainer. Der sollte den Bubentraum der beiden wahr machen und den SC Zug in die oberste Liga führen.