Wer seine rheumatischen Beschwerden mit pflanzlicher Kraft lindern will, kann tatsächlich die betroffenen Stellen mit Brennesseln bearbeiten – die einsetzende Wärme bewirkt jedenfalls eine kräftige, lange andauernde Tiefenmassage des Gewebes. Wer davor zurückschreckt, kann zu Präparaten aus Brennnesselextrakten greifen, die in Pillenform in der Apotheke angeboten werden. Sie versprechen Abhilfe bei Rheuma und Arthritis, aber auch bei anderen Krankheiten, die dadurch verursacht werden, dass sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet.

Wie wirksam sind solche Mittel? Da sind wir mitten in dem heftigen Streit um die rein pflanzlichen Arzneimittel, die "Phytopräparate". Der Brennnesselextrakt, mit dem der Hersteller mehrere Millionen Euro pro Jahr umsetzt, hat in Reagenzglasexperimenten gezeigt, dass er die so genannten Cytokine hemmt, das sind Botenstoffe, die als Auslöser entzündlicher Gelenkkrankheiten bekannt sind. Patienten haben dem Präparat eine gute Wirksamkeit bescheinigt. Eine klinische Studie, die die Wirkung wissenschaftlich belegt, liegt allerdings bisher nicht vor – die muss der Hersteller nachreichen, wenn das Medikament seine Zulassung nicht verlieren soll. Christoph Drösser

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