Franz Kafka hat das Erschreckende der körperlosen Kommunikation früh empfunden. An Milena schrieb er: "Die Menschheit hat, um möglichst das Gespenstische zwischen den Menschen auszuschalten und den natürlichen Verkehr, den Frieden der Seelen zu erreichen, die Eisenbahn, das Auto, den Aeroplan erfunden, aber es hilft nichts mehr, es sind offenbar Erfindungen, die schon im Absturz gemacht werden, die Gegenseite ist soviel ruhiger und stärker, sie hat nach der Post den Telegrafen erfunden, das Telephon, die Funktelegraphie. Die Geister werden nicht verhungern, aber wir werden zugrundegehn."

Die Gegenseite ist soviel ruhiger und stärker: Auf dem Fundament dieses großen Satzes lässt sich zweierlei errichten, eine leuchtende Verschwörungstheorie – und eine Ästhetik des Negativen.

Drüben, auf der elektronischen Gegenseite, sind Kräfte am Werk, die uns foppen und ins Leere rasen lassen. Drüben amüsieren sich die Geister. Sie "werden nicht verhungern"; sie mästen sich von unserem Witz und demütigen uns mit ihrer wesenlosen Schnelligkeit. Wir Diesseitigen indes krallen uns an Erfindungen fest, die "schon im Absturz gemacht werden", wir sehen uns selbst beim Fallen zu. Unser Dasein ist ein stolpernder Versuch, mit der "ruhigen Gegenseite" Schritt zu halten und Frieden zu schließen. Aber die Gespenster brauchen uns nicht, sie sind über uns hinausgewachsen; die Geisterschaft schweigt und frisst.

Es ist eine der liebsten Übungen der Künste, dieses Geräusch zu imitieren, das entsteht, wenn Daten erfasst und Menschen zermalmt werden: die gefräßige Stille der Moderne. Sie ist der tönende Unterstrom der aktuellen Erzählungen.

Und das Theater? Auch die Dramatik versucht, die Mächte der "Gegenseite" zu durchschauen, ans Licht zu zerren. Die Figuren, die auf den Bühnen zu diesem Zweck unterwegs sind, haben manches gemeinsam: Sie sind Boten ohne nennenswertes Eigenleben, dienstbare Schemen, nur dazu da, hinüber geschickt zu werden. Sie sind uns sehr ähnlich. Es lohnt sich, sie bei ihrem Überlebenskampf zu beobachten. Im Folgenden: vier Strategien, um mit der Gegenseite klarzukommen.

Paktiere mit der Gegenseite!

Ein Mann namens Salter sitzt in seiner Wohnung auf dem Sofa und empfängt Besuch. Er hat viel Besuch, aber es ist immer nur sein Sohn, der da kommt – in Variationen.