Vier Jahre Lagerhaft - so lautet das Urteil, das in der vergangenen Woche über den Schriftsteller Eduard Limonow verhängt wurde. Doch ein Platz im Pantheon verfolgter russischer Dichter bleibt dem von der liberalen Intelligenzija geächteten rebellischen Poeten vorerst verwehrt. Dabei ist das Urteil für den 60-Jährigen eigentlich ein Triumph. Zum Terroristen und Revolutionär hatte Putins Geheimdienst den Führer der marginalen Nationalbolschewistischen Partei stilisiert, aus nichtöffentlichen Parteibulletins und erpressten Zeugenaussagen die Mär vom geplanten Staatsumsturz in Kasachstan zusammengedichtet, dessen revolutionäres Feuerchen angeblich schon bald auf Russland übergreifen sollte (ZEIT Nr.

43/02). Am Ende will das Gericht Limonow nur noch der Anstiftung zum Kauf von sechs rostigen Kalaschnikows und 150 Patronen überführt haben. Vier Jahre Haft sind dafür ein hoher Preis. Doch es musste wohl eine Rechtfertigung dafür her, dass die große Geheimdienstmaschinerie medienwirksam Jagd auf den Schriftsteller machte - dabei wollen die Staatsschützer nur ihr Versagen im Kampf gegen die organisierte Kriminalität kaschieren. Wer den korrupten Frieden stört, wird in Putins gelenkter Demokratie weggesperrt. Zumindest einen Teil der Strafe wird Limonow nach Abzug von zwei Jahren Untersuchungshaft wohl absitzen müssen. Zugleich aber werden Gespräche über ein Filmballett nach Motiven seines frühen Meisterwerks Tagebuch eines Losers geführt, unter anderem mit dem serbischen Regisseur Emir Kusturica.