Spätestens in diesen Wochen schienen die Tage der Deutschen BA (DBA) gezählt zu sein. Nach monatelangen Verhandlungen waren die Übernahmegespräche zwischen dem Mutterkonzern British Airways (BA) und der expansionslustigen easyJet gescheitert. EasyJet aus England, immerhin Europas größter Billigflieger, war die Sache zu heiß geworden, nachdem sich die DBA-Piloten quer gestellt hatten und immer mehr Konkurrenten auf dem deutschen Billigflugmarkt auftraten. Nie hatte der Lufthansa-Herausforderer DBA seit seiner Gründung im Jahr 1992 Geld verdient - trotz zahlreicher strategischer Wendungen. Und nun sah es so aus, als würde BA den Laden dichtmachen.

Es ist, erst mal, anders gekommen. British Airways beeilte sich zu erklären, die easyJet-Absage bedeute für Mitarbeiter und Kunden der DBA lediglich "business as usual". Martin Wyatt, hausintern als harter Sanierer bekannt, hatte wenige Wochen zuvor den nur halbherzig durchgreifenden Adrian Hunt als DBA-Chef abgelöst und soll nun das Unternehmen so auf Vordermann bringen, dass sich doch noch ein Käufer findet.

Das ist nicht unbedingt dem guten Herzen von BA-Chef Rod Eddington zu verdanken. Die DBA dichtzumachen ist wohl schlicht zu teuer. Ein fälliger Sozialplan und der vorzeitige Ausstieg aus Leasingverträgen würden viel Geld kosten und wertvolle Landerechte (Slots) gingen verloren. Daher muss Eddington in den sauren Apfel beißen und weiter in die deutsche Tochter investieren, die ihm seit längerem eher lästig ist. Immerhin, laut BA finden derzeit Gespräche mit weiteren potenziellen Investoren statt, und die DBA versucht sich in der Zwischenzeit wieder einmal mit einer neuen Strategie.

Nachdem sich die Fluglinie gut ein Jahr lang ausschließlich auf innerdeutsche Strecken konzentriert hat, will sie nun wieder mehr international fliegen.

Bis 2005 soll der Anteil der Europastrecken auf 30 Prozent wachsen. Anfang April nahm die DBA tägliche Flüge von Berlin, Hamburg und Stuttgart nach Nizza auf. Vom 1. Juli an fliegt sie auch noch täglich von Berlin und Hamburg nach Venedig. Weitere Ziele sollen folgen.

Wyatt geht damit ein altes Problem der DBA an. Zwar sind die Flüge morgens und abends in der Regel gut gefüllt, doch am späten Vormittag oder frühen Nachmittag fliegen die Boeings oft ziemlich leer durch die Lande, weil die vielen Geschäftsleute dann noch nicht wieder an ihren Ausgangsort zurückkehren. Die Taktik, die Flugzeuge in den verkehrsschwächeren Zeiten über billigere Tickets zu füllen, ging ebenfalls nicht auf. Spätestens seit die Lufthansa auf die heftiger werdenden Billigflug-Angriffe mit einem neuen innerdeutschen Preissystem reagierte, hat sich das Passagierwachstum bei der DBA verlangsamt.

Die neuen internationalen Strecken werden nun alle um die Mittagszeit beflogen, dann also, wenn sich mit einem Urlauberflug nach Venedig oder Nizza mehr Umsatz machen lässt als etwa mit einer Verbindung zwischen München und Hamburg. Der Haken daran: Geschäftsleute, die tendenziell besser zahlen, fliegen auch international ungern mittags.