[Abstract] Darf ein Wissenschaftler die Evolutionstheorie auf einer offiziellen Website seines Forschungsinstituts infrage stellen? Wolf-Ekkehard Lönnig, gruppenleitender Genetiker am Kölner Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung (MPIZ), hält nichts von Darwins Befunden und ist Anhänger der sogenannten Intelligent-Design-Theorie, die die Vielfalt der Natur als Produkt eines genialen Schöpfers betrachtet. Am Montag hat das vierköpfige Direktorengremium des MPIZ entschieden, dass Lönnigs 1000-seitiger Auftritt im Netz in dieser Form "nicht akzeptabel" sei. "Wir hätten uns", sagte Paul Schulze-Lefert, geschäftsführender Direktor des Instituts, gegenüber der ZEIT, "lächerlich gemacht, würden wir diese Verquickung von wissenschaftlich abgesicherten Befunden und persönlicher Meinung weiterhin auf unseren Sites dulden." Die Webseite von Lönnig bleibt vorläufig gesperrt. Nur eine "massiv entrümpelte" Version wird in Zukunft auf dem MPG-Server zu finden sein. Die am Montag beschlossenen neuen Regeln für das Gestalten von MPIZ-Webssites seien jedoch keine "Lex Lönnig". Sie gelten fortan für alle Mitarbeiter. Unter anderem dürfen nur Publikation, die ein peer rewiew durchlaufen haben, aufgelistet sein. Persönliche Meinungen, auch wenn sie (Schulze-Lefert) "vordergründig abstrus erscheinen", werden auf der Website explizit geduldet - müssen aber klar gekennzeichnet sein.[Zum Artikel]